Finanzkrise Bernanke sagt Banken Bankrott voraus

Die Finanzkrise wird weitere Opfer fordern - davon geht US-Notenbankchef Bernanke aus: Einige Banken würden wohl bankrott gehen. Insgesamt dümpelt die US-Wirtschaft nur noch vor sich hin - im vierten Quartal 2007 kam das Wachstum fast zum Erliegen.

Washington - Jetzt ruht alle Hoffnung auf dem Konjunkturprogramm von Präsident George W. Bush: Um magere 0,6 Prozent stieg das amerikanische Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal 2007. Gleichzeitig nahm die Inflation zu. "Keine Frage, dass sich das Wachstum verlangsamt", sagte Bush heute. In einer Rezession befänden sich die USA jedoch nicht. Es brauche Zeit, ehe das vor wenigen Wochen beschlossene Konjunkturprogramm Wirkung zeigen könne. Dieses umfasst ein Volumen in Höhe von 168 Milliarden Dollar und soll den Privatkonsum ankurbeln.

Pessimistisch zeigte sich US-Notenbankchef Ben Bernanke: Er sei vor allem wegen der steigenden Inflation besorgt. Sie erschwere die Arbeit der Fed. Er gehe davon aus, dass die US-Wirtschaft wegen der Kreditkrise nur schleppend wachsen werde. Große, international agierende Banken könnten die Kreditkrise wohl überstehen. Einige würden aber bankrott gehen.

Zweites großes Sorgenkind der US-Regierung ist der Immobilienmarkt. Die Ausgaben für Bauprojekte fielen im vierten Quartal 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 25,2 Prozent - das ist der größte Rückgang seit 26 Jahren. Zudem fallen immer mehr Kredite aus. Das macht vor allem den beiden Hypothekenverkäufern zu schaffen.

Der zweitgrößte Kreditfinanzierer Freddie Mac hat durch die Immobilienkrise im Schlussquartal 2007 einen Rekordverlust von 2,5 Milliarden Euro erlitten. Im Gesamtjahr 2007 lag das Minus sogar bei 3,1 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte der Kreditfinanzier noch einen Überschuss erwirtschaftet - in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar.

Branchenführer Fannie Mae ist 2007 ebenfalls tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzern hatte gestern einen Jahresverlust von 2,1 Milliarden Dollar verkündet. Beide Anbieter hatten wegen der Krise die Dividende gekürzt und sich frisches Kapital in Milliardenhöhe besorgen müssen.

Die schlechten Zahlen spiegeln eine der schwersten Krisen am US-Häusermarkt wider. Unterstützung erhielten die beiden Hypothekenverkäufer gestern jedoch von den US-Aufsichtsbehörden: Sie hoben bisherige Obergrenzen für das Geschäft von Freddie Mac und Fannie Mae auf. Die staatlich beaufsichtigten Finanzierer dürfen angesichts des eingebrochenen Marktes nun mehr Hypotheken aufkaufen. Sie erwerben von Banken die Darlehen, bündeln sie in Wertpapieren und verkaufen diese an Investoren weiter.

Die beiden von der öffentlichen Hand gegründeten Institute besitzen staatliche Kreditgarantien. Als größte Geldquelle für US-Hauskredite stehen sie derzeit hinter rund 40 Prozent aller Hypotheken. Gegen beide laufen wegen möglicher Manipulationen bei Immobilienwerten Untersuchungen der New Yorker Staatsanwaltschaft.

sil/dpa/Reuters

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