Finanzkrise Der Bankencrash - eine Chance für Deutschland

2. Teil: Die Globalökonomie steht nicht am Abgrund


Das gilt aber auch für die in jüngerer Vergangenheit so erfolgreichen deutschen Exporteure. Die Nachfrage nach ihren qualitativ hochwertigen Investitionsgütern wird sich auf hohem Niveau stabilisieren. Wenn der Dollar als Folge der rezessiven US-Wirtschaft weiter an Wert verliert, wachsen die Probleme für deutsche Exporteure noch einmal an.

Aber dank der Technologieführerschaft, die viele deutsche Weltmarktführer auszeichnet, wird ein Überwälzen zusätzlicher Kosten auf die Nachfrage leichter fallen als bei ausländischen Konkurrenten. Gerade deswegen gehen deutsche Firmen mit einer gestärkten und nicht etwa geschwächten internationalen Wettbewerbsfähigkeit aus den tektonischen Verschiebungen der Finanzmarktkrise hervor.

Das ist nur eines der weniger sichtbaren, aber deswegen nicht minder guten Argumente, die auf eine Stabilisierung und spätere Besserung für die hiesige Wirtschaft hoffen lassen.

Dabei gilt: Die Globalökonomie steht nicht am Abgrund. Sie ist bei allen Gefahren stabil. Das ist nicht zuletzt der Globalisierung zu verdanken. Sie hat dafür gesorgt, dass die Welt nicht mehr einzig und allein vom Wohl der USA abhängt. Heute ruht die Weltwirtschaft auf mehreren Pfeilern. Dazu gehören Südostasien mit Japan, China und Indien. Dazu zählen rohstoffexportierende Länder wie Russland oder die arabischen Staaten.

Und auch die deutsche Konjunktur bricht nicht in sich zusammen. Sie beruhigt sich, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau als in den letzten zwei Jahren. Die Finanzmarktkrise hat die deutsche Wirtschaft im besten aller schlechten Momente getroffen. Der seit 2006 dauernde konjunkturelle Aufschwung hat zusammen mit den positiven Langzeitwirkungen der Agenda 2010 zu einem starken Beschäftigungsaufbau geführt.

Heute können mehr Menschen als jemals zuvor im wiedervereinten Deutschland durch eigene Arbeit ihr Einkommen erwirtschaften. Manche mögen hier einwerfen, dass es sich vielfach um "atypische" oder gar "nicht normale", weil nicht unbefristete Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse handele. Aber neue Zeiten in Wirtschaft und Gesellschaft machen auch neue Arbeitsweisen erforderlich.

Solange im laufenden Winterhalbjahr nur der weitere Beschäftigungsaufbau ins Stocken kommt und die Arbeitslosigkeit nicht über das saisonal zu erwartende Maß hinaus ansteigt, steht Deutschland lediglich eine kürzere Wachstumsdelle, nicht aber eine anhaltende Rezession bevor. Gegen Jahresmitte 2009 dürfte die Konjunkturflaute überwunden sein. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung ruhig bei ihrem langfristigen Stabilisierungskurs bleibt und auf überstürzte politische Aktionen verzichtet.

Einschneidender als die negativen Konjunktureffekte dürften die langfristigen strukturellen Folgen der Finanzkrise sein. Die Bankenpleiten haben das ohnehin in weiten Teilen der Bevölkerung begrenzte Vertrauen in den Kapitalismus erschüttert. Sie liefern allen Kritikern eine argumentative Steilvorlage. Das wird zu einer Re-Regulierungswelle führen, die wohl nicht nur die Finanzmärkte weiter in die Hände des Staates treibt. Zu offensichtlich war das Marktversagen, das am Schluss zu einer Verstaatlichung des amerikanischen Finanzplatzes geführt hat.

Wen immer welche Schuld trifft, und unabhängig ob es zu einem beispiellosen staatlichen Rettungsprogramm eine Alternative gegeben hätte oder nicht: Es kann nicht sein, dass am Ende faule Kredite in einer "Bad Bank" gesammelt und durch Staatsgelder garantiert werden. Wenn Regierungen private Risiken staatlich absichern, trennen sie Haftung und Verantwortung. Die Sozialisierung von Verlusten in schlechten Zeiten ist das Ende marktwirtschaftlicher Prinzipien. Das darf sich nicht wiederholen. Daraus folgt jedoch nicht notwendigerweise mehr Regulierung. Sicher aber müssen die Regeln für Finanzgeschäfte besser werden.

Schließlich jedoch ist die Schwäche der Wall Street eine Chance für Europa. Europäische Geschäftsmodelle mit traditionellen Universalbanken und eigentümergeführten Privatbanken dürften die untergegangenen Investmentbanken beerben. Damit profitieren Finanzinstitute, bei denen Verantwortung und Haftung untrennbar miteinander verschmolzen sind. Für Deutschland sind das keine schlechten Aussichten, aus der Finanzmarktkrise gestärkt hervorzugehen.

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OoogaBoooga, 30.09.2008
1. sehe ich auch so
Als Wirtschaftsstudent muss ich zwar sagen, dass verantwortungsvolles Handeln auch in deutschen Universitäten bei weitem zu kurz kommt. Aber vermutlich wird den amerikanischen Studenten gleich von vornherein erklärt, dass sich damit kein Geld machen ließe und dass sie moralische Bedenken oder ihr schlechtes Gewissen bitte gleich beim Jobantritt beim Pförtner abgeben. Das deutsche System ist bei weitem stabiler und langfristiger angelegt als das angelsächsische. Das "zahlt" sich nun aus, es war nur eine Frage des wann, nicht des "ob". Andere Länder lassen verantwortslose "Blasen" entstehen, an denen sich dann gewisse Herrschaften maßlos bereichern, nur damit die Verluste dann "sozialisiert" werden. Eigentlich unfassbar sind auch die Vergütungen amerikanischer Spitzenmanager, die tatsächlich oft das 10fache eines europäischen Kollegen verdienen. Es gab leider auch schon gewisse Tendenzen hierzulande, sich an den verheißungsvollen Megarenditen der Immobilienblase zu beteiligen, dafür wurden auch zahlreiche Banken abgewatscht (und nicht zuletzt auch ein gewisser Ex-CSU-Chef). Aber auch ich sehe die Situation der Krise hier fundamental anders als die in Amerika: Abgesehen von den zutreffenden Argumenten des Artikels, sehe ich auch realwirtschaftlich völlig andere Voraussetzungen. Während Amerika nun eine Real-(Autobranche und andere) und eine Finanzkrise hat (die sich beide auch noch gegenseitig begünstigen), werden wir nur teilweise von der Finanzkrise getroffen. Das wird zwar wehtun, und eben mittel- langfristig auch den realen Bereichen treffen. Deutschland ist aber von allen Beteiligten am besten positioniert, dank sehr vorausschauender Politik und zumindest einigermaßen vernünftigen Wirtschaftsbossen. Sollte es bei uns eine Rezession geben, hat Amerika mindestens eine Depression. Gibt es dort "nur" eine Rezession, werden wir vermutlich leichtes Wachstum haben (0.5 - 0.8 %)
mzwk 30.09.2008
2. Feierabend
Es wird bis zur letzten Sekunde gelogen bis sich die Balken biegen. Man sehe sich das bei den zuletzt konkurs gegangenen Instituten an. Immer wieder das gleiche: Es wird schoengeredet bis es kracht - Und danach weiss keiner von nix oder es sind die anderen Schuld. Lasst euch nichts erzaehlen. Man ist sich immer selber des eigenen glueckes Schmied. Fakt ist: Wenn bei uns reihenweise die Banken umkippen, kann der Einlagensicherungsfond das niemals alles abfangen. Dann hat man entweder sein Geld komplett verloren, da man es nicht mehr holen kann, oder es wird durch Hyperinflation entwertet. So oder so: Wenn man noch (Papier) Geld hat wird es weg sein.
Extremophile 30.09.2008
3. Jetzt erst recht
Ich meine, wenn wir Deutschen an uns selbst und an unsere Fähigkeiten glauben, werden wir diese Krise auch gut überstehen.
clairvaux 30.09.2008
4. Gotte Gehörgang
Zitat von sysopFinanzkonzerne scheitern in Serie, Börsenkurse rauschen nach unten, das US-Rettungspaket für die Banken ist vorerst gescheitert. Trotzdem gibt es keinen Grund zur Panik, sagt Wirtschaftsexperte Thomas Straubhaar: Deutsche Konzerne und Banken sind stärker als viele glauben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,581198,00.html
Sein Wort in Gottes Gehörgang - allein glauben mag ich's nicht so recht...
OoogaBoooga, 30.09.2008
5. Nachtrag
Letztlich gibt es nur eine Möglichkeit, dass auch Deutschland so einbricht wie Amerika: Es müsste in einem wesentlichen Bereich überbewertet sein. Irgendwas. Unsere Produkte, unsere Immobilien, unsere Leistungsfähigkeit... Oder irgendwelche Industrien haben wichtige Trends verschlafen und geraten ins Hintertreffen. Deutsches Geld (bzw. europäisches Geld) ist solange das wert, was drauf steht, solange die Leistung, die dem gegenübersteht, diejenige ist, die man bislang angenommen hat. Solange die knapp 30 Mio. Beschäftigten in Deutschland tagtäglich schaffen gehen, und dabei mehr oder weniger eine konstante Leistung erbringen, die mehr oder weniger konstant bewertet wird (von uns selbst UND von den Abnehmern aus aller Welt), haben wir nichts dramatisches zu befürchten. Die deutschen Unternehmen sind weitgehend vorbildlich aufgestellt, vor allem relativ zu anderen betrachtet. Desweiteren sehe ich weit und breit keine Blase. Auch die deutschen Arbeiter und Angestellten sind überdurchschnittlich gut ausgebildet. Solange mir ein Forist nicht sagen kann, was er in Deutschland für konsequent überbewertet (Arbeit, Technologie, Immobilien, ...) hält, sehe ich mich in meinem Optimismus bestätigt. Das amerikanische Problem ist eine Überbewertung der Immobilien, eine Überbewertung vieler Unternehmen (GM, Ford, etc.), und eine Überbewertung der eigenen Arbeiter und Angestellten, die meistens über eine sehr beklagenswerte Ausbildung und Bildung verfügen.
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