Finanzkrise Finanzsenator Sarrazin attackiert Josef Ackermann

Beamte, Studenten, Arbeitslose - vor Berlins Finanzsenator Sarrazin ist niemand sicher. Nun knöpft er sich die Finanzwelt vor: Gierige Banker wie Josef Ackermann sind seiner Meinung nach verantwortlich für die Wirtschaftskrise. Nun müssten bestimmte Institute komplett verstaatlicht werden.


Stuttgart/Berlin - Angesichts der Finanzkrise fordert Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) radikale Maßnahmen. "Wir müssen die Banken da, wo der private Aktionär jetzt nicht mehr Eigenkapital geben wird, in staatliche Obhut nehmen und selbst das Eigenkapital geben und Vollaktionäre werden", sagte Sarrazin im SWR.

Sarrazin: "Das ist ein Aufruf, Risiken einzugehen"
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Sarrazin: "Das ist ein Aufruf, Risiken einzugehen"

Der Berliner Finanzsenator war zuletzt als Nachfolger von Günther Merl als Chef des Bankenrettungsfonds (Soffin) im Gespräch. Statt seiner wurde der frühere Nord/LB-Chef Hannes Rehm neuer Soffin-Chef. Sarrazin übte zudem heftige Kritik am Verhalten der Banken. Als besonderes Negativbeispiel nannte Sarrazin Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit seinem früheren Renditeziel von 25 Prozent. "Man kriegt ja nur mehr Rendite mit mehr Risiko. Das war ein Aufruf, Risiken einzugehen und diejenigen, die das anders machten, die vorsichtiger waren, die wurden in der Tat während der vergangenen acht Jahre regelrecht gemobbt", sagte Sarrazin.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wies die Kritik entschieden zurück: "Herr Sarrazin irrt, das war kein Aufruf zu mehr Risiko, sondern eine Zielmarke". Demnach müsse jeder selbst wissen, wieviel Risiko er tragen könne. Zudem ließen sich 25 Prozent Eigenkapitalrendite nicht nur mit hochriskanten Geschäften erzielen, so der Sprecher.

Sarrazin sprach sich zudem gegen eine staatliche "Bad Bank" aus. Er plädierte für Einzelfallentscheidungen nach einer möglichen Staatsübernahme: "Dann ist es ja unsere Bank und dann können wir auch aufteilen in 'Good Bank' und 'Bad Bank'" sagte Sarrazin.

Derzeit wird diskutiert, wie den Banken die hochriskanten Papiere abgenommen werden können. Um den stockenden Kreditfluss wieder zu beleben, wurde auch vorgeschlagen, statt einer einzigen "Bad Bank", einzelne Institute in "Good Banks" und "Bad Banks" aufzuspalten - so wie es nun auch Sarrazin vorgeschlagen hat.

Eine "Bad Bank" (englisch für "schlechte Bank") ist ein Institut, das risikobehaftete Finanzpapiere übernimmt, die stark an Wert verloren haben und nicht mehr handelbar sind. Die "giftigen" Hypothekenpapiere drohen eine Bank nach der anderen in den Abgrund zu ziehen. Die Bilanzen sollen durch die "Bad Bank" mit einem Schlag bereinigt und den Banken mehr Spielraum zur Kreditvergabe gegeben werden.

Sarrazin war in der Vergangenheit mehrfach durch offensive Verlautbarungen aufgefallen. Unter anderem empfahl er den Verbrauchern, sich angesichts hoher Energiepreise wärmer anzuziehen.

cvk/dpa



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