Finanzkrise G7 glauben nicht an US-Rezession

Die sieben führenden Industrieländer (G7) erwarten keine Rezession in den Vereinigten Staaten. Allerdings rechnet das Gremium mit weiteren Abschreibungen im Bankensektor - der Schaden könnte sich nach Einschätzung der Experten auf bis zu 400 Milliarden Dollar belaufen.


Tokio - Die G7 rechnen als Folge der aktuellen Finanzkrise mit einem Abschreibungsbedarf von rund 400 Milliarden US-Dollar bei den Banken weltweit. Dies sei die allgemeine Einschätzung der Runde gewesen, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Samstag in Tokio nach dem G-7-Treffen. Er wandte sich jedoch zum wiederholten Male dagegen, in Deutschland dem US-Beispiel zu folgen und ein Konjunkturprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft aufzulegen.

"Es gibt keinen Bedarf an einem wie auch immer gearteten Konjunkturprogramm", sagte er. Für Steuersenkungen sieht Steinbrück nach eigenen Worten keinerlei Spielraum. Von den USA seien bei dem G-7-Treffen auch keine Forderungen oder Bitten nach Konjunkturprogrammen der Europäer geäußert worden, sagte der Minister.

Die G7 wiesen zum Abschluss ihres Treffens auf Herausforderungen und Unsicherheiten für die Weltwirtschaft hin. Das Wachstum werde sich kurzfristig wohl etwas verlangsamen, erklärten sie in einem gemeinsamen Kommunique. Allerdings werde es in diesem Jahr voraussichtlich nicht zu einer Rezession in den USA kommen.

Die langfristigen Fundamentaldaten der US-Wirtschaft blieben trotz gewachsener Risiken gesund. An die internationalen Finanzkonzerne appellierten die Minister, ihre Verluste offenzulegen und ihre Kapitalbasis zu erstärken. Mit Blick auf die Währungspolitik riefen sie China auf, eine schnellere Aufwertung des Yuan auf breiter Front zuzulassen. Auf die Kursentwicklung von Euro, Dollar oder Yen gingen die Minister nicht ein.

"Wir sollten die gegenwärtige Situation durch die Umsetzung angemessener Maßnahmen im jeweiligen Land überwinden", sagte der japanische Finanzminister Fukushiro Nukaga nach Abschluss des G-7-Treffens am Samstag in Tokio. Die Möglichkeit konzertierter Maßnahmen schloss er aus. Jede Nation sollte selbst die nötigen Schritte tun.

hil/dpa/Reuters



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