Finanzkrise Gruner + Jahr-Chef erwartet Rückschlag für die Medienbranche

Schlechte Konjunktur, schwindende Werbeeinnahmen, gar die Insolvenz kleiner Verlage: Bernd Kundrun sieht schwere Zeiten auf Zeitschriften und Zeitungen zukommen. Staatliche Hilfen lehnt der Gruner + Jahr-Chef trotzdem ab, regt aber an, die Mehrwertsteuer für Printprodukte abzuschaffen.


Hamburg - Der Chef von Europas größtem Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr verbreitet derzeit wenig Optimismus: In Jahren der Stagnation oder gar Schrumpfung des Bruttosozialprodukts würden Unternehmen ihre Werbemaßnahmen überproportional zurückfahren, sagte Bernd Kundrun der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"."Daher müssen wir uns darauf einrichten, dass es schlimm wird. Das heißt, ich schließe auch zweistellige Rückgänge der Werbeerlöse im nächsten Jahr nicht aus."

Gruner + Jahr-Chef Kundrun: "Es wird schlimm"
DPA

Gruner + Jahr-Chef Kundrun: "Es wird schlimm"

Das könnte nach Ansicht von Kundrun vor allem die Kleinen der Branche treffen, selbst Insolvenzen schließt der Verlagschef nicht aus: "Kleinere und mittlere Verlage, die keine solide Finanzierungsbasis haben und deren Ergebnisse nur knapp über der Nulllinie liegen, können in den nächsten ein bis zwei Jahren in Schwierigkeiten geraten."

Es sei schwer vorherzusehen, wann das Anzeigengeschäft wieder anziehen werde. "Wir können von Glück sagen, wenn es im zweiten Halbjahr 2009 wieder bergauf geht, aber ich bleibe skeptisch." Für seinen eigenen Verlag gibt sich Kundrun allerdings optimistisch: Gruner + Jahr habe seine Hausaufgaben gemacht. "Wir gehen davon aus, dass wir den heute absehbaren Werbeeinbruch ohne weitere Maßnahmen überstehen können."

Der Verlag Gruner + Jahr, der unter anderem mit 25,5 Prozent am Spiegel-Verlag beteiligt ist, hatte Anfang November einen drastischen Sparkurs angekündigt. Die Wirtschaftstitel "Capital", "Impulse", "Börse Online" und "Financial Times Deutschland" sollen unter einem Dach zusammengefasst werden; rund 60 Stellen fallen weg. Das Gesellschaftsmagazin "Park Avenue" verschwindet vom Markt.

Staatliche Hilfen für die Medienbranche lehnte Kundrun ab, doch sollte über die Abschaffung der Mehrwertsteuer für Printprodukte diskutiert werden. "Schließlich hat die Presse eine gesellschaftstragende Rolle und deswegen auch einen besonderen Wert für die Demokratie und die Kultur dieses Landes."

sam/dpa



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