Finanzkrise Lone Star bekommt IKB zum Schnäppchenpreis

Der US-Finanzinvestor Lone Star hat beim Kauf der angeschlagenen IKB den Preis stark gedrückt. Die bundeseigene KfW gibt zu, weniger als erhofft für die Krisen-Bank zu bekommen - diese muss sich jetzt auf eine harte Sanierung einstellen.


Frankfurt am Main - Eigentlich wollte die KfW-Bankengruppe 800 Millionen Euro für die IKB erzielen. Doch davon musste sie sich offenbar verabschieden. "Die ursprünglichen Erwartungen an die Höhe des Kaufpreises haben sich nicht erfüllt", sagte Vorstandssprecher Wolfgang Kroh am Donnerstag in Frankfurt am Main. Dennoch bewertet die KfW den Preis für das Aktienpaket als "angemessen positiv".

IKB-Aktionär: "Angemessen positiver" Kaufpreis
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IKB-Aktionär: "Angemessen positiver" Kaufpreis

Zu den Details des Kaufpreises vereinbarten beide Seiten Stillschweigen, er soll allerdings im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich liegen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge soll Lone Star sogar nur rund 100 Millionen Euro bezahlt haben. Das hat die Agentur von einer mit der Sache vertrauten Person erfahren. Bis Oktober 2008 werden nun 90,8 Prozent der IKB-Aktien an den Finanzinvestor übertragen.

Lone Star und die KfW haben sich zudem darauf verständigt, die Risiken "bei bestimmten Portfolio- und Klagerisiken" zu teilen. Lone Star wird demnach Papiere im Wert von rund 3,3 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft auslagern. Die KfW übernimmt ihrerseits Risiken in Höhe von 1,3 Milliarden Euro.

An der Börse sorgte die Nachricht über den Verkauf der Mittelstandsbank für gute Stimmung. Die IKB-Papiere legten am Mittag stark zu. Sie schossen um fast zwölf Prozent in die Höhe und notierten zwischenzeitlich bei 3,35 Euro.

Die IKB hatte sich am US-Kreditmarkt verspekuliert und war nur dank Milliardenunterstützung vor der Pleite bewahrt worden. Nach FDP-Angaben mussten KfW, Bund und Bankenwirtschaft bislang 9,8 Milliarden Euro Risiken abdecken, um die IKB zu retten.

Der texanische Finanzinvestor Lone Star hatte das anschließende Bieterverfahren um die Mittelstandsbank überraschend gewonnen. Als Favorit galt eigentlich die US-Beteiligungsgesellschaft RHJ International (RHJI), die zur Ripplewood-Gruppe gehört. Die IKB muss sich jetzt auf eine harte Sanierung einstellen: Der Finanzinvestor Lone Star hat den Ruf, bei den von ihm übernommenen Unternehmen hart durchzugreifen und sie gesund zu schrumpfen. Das wird jetzt auch bei der IKB erwartet.

Der Finanzinvestor hat bereits in der Vergangenheit bei deutsche Banken hart durchgegriffen: 2005 erwarb Lone Star die Mitteleuropäische Handelsbank von der NordLB und verschaffte sich damit als erster US-Finanzinvestor eine Banklizenz in Deutschland.

Noch im selben Jahr schlugen die Aufkäufer bei der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) zu, die sich mit spekulativen Zinsgeschäften verhoben hatte und vor der Pleite stand. Lone Star krempelte die AHBR komplett um und richtete sie neu aus. Fast 200 Mitarbeiter mussten gehen. Heute schreibt die Bank, die nun Corealcredit heißt, wieder Gewinne.

Mit Blick auf die IKB kündigte Lone Star nun an, das Institut als Mittelstandsbank auch unter ihrem Namen erhalten zu wollen. "Wir werde die bestehende Positionierung der Bank als Mittelstandsbank stärken und konsequent ausbauen", teilte der US-Finanzinvestor mit. Personalabbau bei der IKB sei nicht "primäres Ziel".

Analyst Konrad Becker von Merck Finck erwartet im Zuge der Sanierung dennoch Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen. Unrentable Einheiten müssten geschlossen werden und die Bank zur Mittelstandsfinanzierung zurückkehren.

cvk/Reuters/dpa-AFX/dpa



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