Finanzkrise Märkte bangen um US-Immobilien-Finanzierer

Rekordstände beim Ölpreis und eine schwierige Lage im Finanzsektor belasten die Börsen in USA und Deutschland: Eigentlich hatten Aktienhändler staatliche Hilfe für die angeschlagenen US-Hypothekenbanken Fanny Mae und Freddie Mac erhofft. Doch konkrete Zusagen bleiben aus.

New York - Die Hoffnungen ruhten auf der US-Regierung: Sie sollte die angeschlagenen US-Immobilienfinanzierer Fanny Mae und Freddie Mac retten - und so die große Krise verhindern. Doch Finanzminister Henry Paulson äußerte sich nur vage: Man werde die Banken "in ihrer gegenwärtigen Form unterstützen, weil sie eine wichtige öffentliche Aufgabe erfüllen", sagte er lediglich.

Händler an der Rohstoffbörse New York: Rekordstände beim Öl

Händler an der Rohstoffbörse New York: Rekordstände beim Öl

Foto: AP

Eine völlige Verstaatlichung der Finanzunternehmen zieht die Regierung offenbar nicht mehr in Betracht. Die enormen Ausfälle der Krisenfirmen würden die Staatsschulden zu stark erhöhen, berichtet die "New York Times".

Vor allem Aktienhändler hatten sich mehr erhofft, schließlich hatte die Nachricht vom drohenden Zusammenbruch der Unternehmen die Finanzmärkte erneut schwer gebeutelt. Bereits am Vortag befanden sich die Kurse der Immobilienfinanzier im freien Fall, nachdem der ehemalige Fed-Gouverneur William Poole die Konzerne in einem Bloomberg-Interview als faktisch insolvent bezeichnet hatte.

Fannie Mae ist US-Branchenführer im Hypothekengeschäft, Freddie Mac   die Nummer zwei. Seit vergangenem Sommer haben die Institute mehr als 11 Milliarden an Verlusten angehäuft. Hinter den beiden Konzernen stehen mehr als die Hälfte aller Hypotheken in den USA. Fannie Mae und Freddie Mac befinden sich zwar in Privatbesitz. Wegen der engen Verzahnung mit der Politik erwarteten die Finanzmärkte stillschweigend, dass der Staat letztlich für deren Schulden weitgehend geradestehen würde. Diese Hoffnung hat sich nun getrübt.

Der amerikanische Leitindex Dow Jones   ging mit einem Minus aus dem Handel: Er schloss 1,1 Prozent tiefer bei 11.100 Punkten. Im Tagesverlauf war er um gut zwei Prozent auf 10.982 Punkte gefallen. Damit rutschte das Börsenbarometer erstmals seit Juli 2006 unter die psychologisch wichtige Marke von 11.000 Punkten.

Der Kurssturz bei den beiden Hypothekenfinanzierer war nicht das einzige Anzeichen an der Wall Street, dass die Finanzkrise mit voller Wucht zurückkehrt. Die viertgrößte Bank Wachovia  schockte die Anleger zuletzt mit der Nachricht, dass sie einen Quartalsverlust infolge der Finanzkrise von rund 2,8 Milliarden Dollar erwartet. Der Kurs brach darauf hin um 8,1 Prozent ein.

Außerdem machten Gerüchte über neue Probleme bei Lehman Brothers   die Runde - die Papiere der Investmentbank verloren daraufhin rund 12 Prozent an Wert. Grund waren Meldungen, wonach der Vermögensverwalter Pimco seine Geschäfte mit der wegen der Finanzkrise unter Druck geratenen Bank eingeschränkt hat. Ein Pimco-Sprecher erklärte aber, man handele weiterhin mit Lehman.

Um die Märkte zu beruhigen, wollte die US-Regierung am Freitag einen Notfallplan schmieden, verkündete eine Sprecherin des Weißen Hauses. Nach der Ankündigung reduzierten sich die Kursverluste, die Krise ist damit aber noch lange nicht beseitigt. "Wir befinden uns inmitten eines Tsunamis im Finanzsektor. Dies ist ein Sturm, den die USA zuvor noch nie erlebt haben", sagte Peter Kenny, Direktor von Knight Equity Markets.

Auch in Deutschland stürzen die Kurse

Auch auf den deutschen Aktienmärkten waren die Auswirkungen der Krise zu spüren: Wegen des Rekord-Ölpreises und der erneuten Finanzkrise sackte der Dax   zeitweise auf ein Jahrestief von 6139 Zählern. Er schloss mit einem Minus von 2,41 Prozent bei 6153 Punkten.

Der Euro peilt indessen die Rekordmarke von 1,60 Dollar an: Er notierte zuletzt bei 1,5904 Dollar. Die Sorgen um den Immobilienmarkt und das gesamte Finanzsystem in den USA lasteten unverändert auf der US-Währung, teilten Analysten mit. Bereits jetzt belasten die Probleme von Fannie Mae und Freddie Mac die ohnehin gebeutelten Finanzmärkte massiv. Ein Ausfall wäre laut Experten kaum verkraftbar.

Allerdings ist die Entwicklung schwer zu stoppen: Denn wenn erst einmal Insolvenzgerüchte die Runde machen, dreht sich die Abwärtsspirale meist immer schneller. Für die Institute wird es dann immer teurer, sich frisches Kapital zu besorgen. Fannie Mae hat sich bereits eine milliardenschwere Kapitalspritze besorgt, Freddie Mac war damit bislang erfolglos.

Die dramatische Entwicklung weckt böse Erinnerungen an das Schicksal der Investmentbank Bear Stearns, die im Frühjahr wegen drohender Insolvenz unter dem Druck der Regierung ihrem Notverkauf zustimmen musste.

cvk/dpa-AFX-AFP/Reuters/AP

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