Finanzkrise Notenbank-Chef Trichet deutet Zinssenkung an

Es wäre die zweite Senkung in nur wenigen Wochen: EZB-Chef Trichet hat in Aussicht gestellt, die Zinsen in der Euro-Zone erneut nach unten zu korrigieren - schon in der kommenden Woche könnte die Notenbank Fakten schaffen.

Madrid - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat mit überraschend deutlichen Worten den Weg für eine weitere Leitzinssenkung frei gemacht. Es sei möglich, dass der EZB-Rat in der kommenden Woche die Zinsen weiter senke, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montag in Madrid.

EZB-Chef Trichet: Signal an die Märkte

EZB-Chef Trichet: Signal an die Märkte

Foto: DPA

Seit der gemeinsamen Zinssenkung der wichtigsten internationalen Zentralbanken am 8. Oktober seien die Inflationsrisiken weiter gesunken. Die Inflation werde wahrscheinlich zwar noch einige Zeit über dem mit Preisstabilität zu vereinbarenden Niveau bleiben, sagte Trichet. Sie dürfte aber 2009 zurückgehen. Dagegen schwäche sich das Wirtschaftswachstum bereits jetzt ab.

Vor nicht einmal drei Wochen hatte die EZB gemeinsam mit anderen Notenbanken ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent gesenkt. Damit sollten die Finanzmärkte beruhigt werden, doch die Börsen sind derzeit weiterhin weltweit auf Talfahrt.

Der EZB-Rat entscheidet kommenden Donnerstag über den Leitzins. Experten rechnen mit einer weiteren Kappung des Schlüsselzinssatzes.

Die Notenbanker in den USA treffen sich bereits am morgigen Dienstag für zwei Tage. Allgemein wird in den USA mit einer Leitzinssenkung um 0,5 Punkte auf ein Prozent gerechnet. Damit stünde der Zinssatz so tief wie 2003, als der Vorgänger von Fed-Chef Ben Bernanke, Alan Greenspan, mit einer kräftigen Verbilligung des Geldes auf das Platzen der Internetblase an den Börsen reagierte. Diese Geldschwemme gilt als einer der Auslöser für die aktuelle Krise am US-Immobilienmarkt und die Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Möglich ist auch, dass die wichtigen Notenbanken der Welt wie am 8. Oktober in einer konzertierten Aktion die geldpolitischen Zügel lockern.

kaz/Reuters/dpa/AP

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