Finanzkrise Sex-Klage gegen HSH-Nordbank-Manager

Verantwortliche der maroden HSH Nordbank bestreiten die Vorwürfe vehement. Aber in der Klageschrift eines ehemaligen Abteilungsleiters heißt es nach SPIEGEL-Informationen, die New Yorker Niederlassung werde als "Bordell" bezeichnet. Denn sie sei "vollständig durchdrungen von Affären und sexuellen Gefälligkeiten".


Hamburg - Der ehemalige Leiter der Abteilung "Corporate Services" der HSH-Nordbank-Niederlassung in New York, David Krasner, hat seinen Ex-Arbeitgeber vor dem Bundesbezirksgericht für das südliche New York wegen Diskriminierung verklagt.

HSH Nordbank: "Beinahe vergessen, die Massage von gestern zu erwähnen"
DDP

HSH Nordbank: "Beinahe vergessen, die Massage von gestern zu erwähnen"

In der im Oktober 2008 eingereichten Klageschrift heißt es nach SPIEGEL-Informationen: "Die New Yorker Niederlassung der Nordbank ist so vollständig durchdrungen von Affären und sexuellen Gefälligkeiten, dass weibliche Angestellte das Büro als 'Bordell' bezeichnen und darüber spotten, welche Sex-Praktiken zu welchen Vorteilen am Arbeitsplatz führen."

Als er sich, ganz offiziell und schriftlich, bei der Personalabteilung der Bank über diese Zustände beschwert habe, sei er gefeuert worden, berichtet Krasner.

Verantwortliche der Bank "bestreiten die Vorwürfe vehement". Krasner habe einen Arbeitsvertrag gehabt, der sowohl von ihm als auch von seinen Vorgesetzten jederzeit und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden konnte. Detaillierte Erklärungen seien deshalb überflüssig.

Doch Krasners Anwalt präsentiert in seinem Schriftsatz Belege, die für sich sprechen. Etwa eine E-Mail, in der ein HSH-Spitzenmanager die Sonderstellung mancher Frauen im Unternehmen beschreibt: "Ihr Hühner habt es so leicht … Den ganzen Sonntag auf einem Boot in Newport relaxen … Oh, jetzt hätte ich doch beinahe vergessen, die Massage von gestern zu erwähnen."

Unter Punkt 97 der Klageschrift ist die E-Mail einer HSH-Mitarbeiterin zitiert, die den rasanten Aufstieg einer Kollegin so kommentiert: "Ich denke, wenn ich einem Einzelbüro mit Laptop sitzen will, sollte ich ein paar Blow-Jobs spendieren."

Nach Ansicht der HSH-Anwälte reichen "die behaupteten Intimbeziehungen nicht aus, um den Vorwurf einer weitverbreiteten sexuellen Günstlingswirtschaft zu belegen". Hinzu komme: "Romantische, auf Konsens beruhende Beziehungen zwischen Führungskräften und Untergebenen sind nicht ungesetzlich."

Der Ruf der HSH Nordbank hat durch dubiose Kreditersatzgeschäfte gelitten. Nur ein Rettungspaket in Höhe von 13 Milliarden Euro, das die beiden Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein kürzlich beschlossen, hat ihren Untergang fürs Erste verhindert.



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