Finanzkrise Sparkassen-Präsident offen für Börsensteuer

Sparkassen-Präsident Haasis stellt sich gegen den Internationalen Währungsfonds (IWF). Er lehnt dessen Pläne für einen Fonds oder eine Versicherung zur Beteiligung der Finanzbranche an den Kosten der Krise ab. Stattdessen zeigt er sich als erster führender Banker in Deutschland offen für eine Börsensteuer.

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis: "Besser wäre, wenn alle zahlen müssten"
dpa

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis: "Besser wäre, wenn alle zahlen müssten"


Istanbul - Heinrich Haasis lehnt eine Börsenumsatzsteuer nicht grundsätzlich ab. Gegen diese von Kanzlerin Angela Merkel ins Spiel gebrachte Abgabe sei vom öffentlich-rechtlichen Bankenlager kein grundsätzlicher Widerstand zu erwarten, sagte Haasis der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn die Politik die Finanzindustrie an den Krisenkosten beteiligen will, wäre eine Finanztransaktionsteuer ein besserer und gerechterer Weg als ein Fonds- oder Versicherungssystem", betonte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, lehnte bei der IWF-Herbsttagung in Istanbul zwar eine Steuer auf alle Arten von Börsengeschäften ab. Stattdessen sprach er sich aber dafür aus, die Bankenbranche über einen Fonds oder eine Versicherungslösung an den Kosten der schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten zu beteiligen. Entsprechende Pläne will der IWF in den nächsten Wochen ausarbeiten - auch auf Bitten des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20).

Bankenverband sieht Börsensteuer kritisch

Haasis sieht diese Pläne des IWF kritisch, da nur die Banken und nicht alle Investoren zur Kasse gebeten würden. "Die IWF-Überlegungen bedeuten: Wer eine Lizenz hat, muss zahlen", sagte der Sparkassen-Präsident. "Besser wäre es statt dessen, wenn alle zahlen müssen, die den Finanzmarkt nutzen." Damit findet Haasis allerdings keine Unterstützung bei den privaten Banken in Deutschland. "Eine Börsenumsatzsteuer würde letztlich nur die Bankkunden treffen und belasten", sagte der Präsident des Bankenverbands, Andreas Schmitz. Zudem müsse jeder Ansatz international abgestimmt sein. "Eine rein deutsche Lösung würde unserem Finanzplatz erheblichen Schaden zufügen."

Mit Blick auf die derzeit weltweit geführte Regulierungsdebatte befürchtet Haasis Nachteile für die europäischen Institute. "Wir müssen in der Diskussion aufpassen, dass wir uns nicht von den USA überrollen lassen." Neue Regeln dürften nicht nur an kapitalmarktorientierten Banken ausgerichtet werden. Vor allem in Deutschland gebe es neben dem Aktienkapital weitere Einlageformen, die im Verlustfall ebenfalls voll haften. Er bezieht sich dabei auf die stillen Einlagen, die vor allem bei den Landesbanken eine große Rolle spielen. Diskutiert wird derzeit, diese und andere Instrumente nicht mehr zum Kernkapital hinzuzuzählen. Sollte dies passieren, warnt Haasis vor einem dauerhaften Kreditengpass. "Das Problem ist bereits von der deutschen Politik erkannt, es ist aber international noch viel zu tun", betonte Haasis.

Philipp Halstrick/Reuters



insgesamt 717 Beiträge
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Tall Sucker, 25.07.2009
1.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Dass Finanzminister sie im Fall der Fälle herauspauken wird.
Adran, 25.07.2009
2.
"nach der Lehmanpleite wissen wir, dass man keine Bank pleite gehn lassen kann!" Angela Merkel mit anderen Worten, gehe noch höheres Risiko, mit noch mehr Gewinn, und daher noch größeren Boni ein, und wenn du scheiterst, dann kommt die Sichtbare Hand des Staates und hilft dir.. Lang lebe, Too big to fail..
Pu239, 25.07.2009
3.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Das man Verluste immer gut sozialisieren kann, weil man ja "systemisch" ist. Als Bank hat man deshalb Narrenfreiheit.
Bernhard Fischer 25.07.2009
4.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Warum sollten sie lernen? Wäre das nicht kontraproduktiv????
lemming51 25.07.2009
5. Bankenkrise
Sie werden es erst gelernt haben, wenn man ihnen, hoffentlich nicht erst nach dem nächsten SuperGAU,die Brocken nebst Boni um die Ohren haut, dass es nur noch so scheppert !!!!! Aber es steht zu befürchten, dass ihre Erfüllungsgehilfen in der Politik wiederum jeden Bereicherungsfeldzug mitmachen und das Casino mit Steuermilliarden finanzieren.
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