Finanzkrise Steinbrück betet die Märkte gesund

Die Bundesregierung will Ruhe in die turbulenten Finanzmärkte bringen: Finanzminister Steinbrück erklärte heute trotz Kurssturzes in Asien, es gebe keinen Grund zur Nervosität. Schließlich seien die wirtschaftlichen Aussichten für 2008 nach wie vor gut.


Frankfurt am Main/New York/Tokio/Phoenix - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bemühte sich um eine weitere Beruhigung der von der US-Immobilienkrise verunsicherten Finanzmärkte. Steinbrück wies heute in Frankfurt beim 50-jährigen Jubiläum der Bundesbank darauf hin, die führenden Industrienationen stünden wegen der Turbulenzen an den Märkten in Kontakt. "Die notwendigen Kontakte auf allen Ebenen gibt es, sie waren bisher sehr fruchtbar", sagte er. Ziel sei es, die Situation in den Griff zu bekommen. Ein Sondertreffen der G-7-Finanzminister werde es aber nicht geben.

Finanzminister Steinbrück: "Es gibt keinen Grund zur Nervosität über die Realwirtschaft"
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Finanzminister Steinbrück: "Es gibt keinen Grund zur Nervosität über die Realwirtschaft"

Steinbrück erklärte, es gebe "keinen Grund zur Nervosität über die Realwirtschaft". Im Sommer könne die Wirtschaft kräftiger wachsen als im Frühjahr. Zudem seien die Aussichten auf 2008 günstig. Der Finanzminister betonte, die Unabhängigkeit der EZB stehe außer Frage. "Niemand sollte die Unabhängigkeit der EZB in Frage stellen oder relativieren", sagte Steinbrück. Die Notenbank hatte in der vergangenen Woche und zu Anfang dieser Woche insgesamt dreimal mit milliardenschweren Geldspritzen, sogenannten Schnelltendern, für Stabilität auf dem Geldmarkt gesorgt.

Auch Bundesbank-Präsident Axel Weber sieht trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten gute Wachstumsaussichten. Das Wachstum sei ausgewogen und kräftig. Die Notenbank würde alles Notwendige tun, um für Finanz- und Preisstabilität zu sorgen, erklärte er.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg erklärte, die Bundesregierung erwarte von den Turbulenzen an den Finanzmärkten keine negativen Folgen für die Konjunktur in Deutschland. "Es gibt keinen Anlass davon auszugehen, dass die Verunsicherung auf den Finanzmärkten auf den Bereich der sogenannten Realwirtschaft überspringen wird."

Die gemischten Vorgaben von den Börsenplätzen sorgten zum Handelsstart in Europa zum Handelsbeginn heute noch für Verunsicherung. Dann allerdings verdrängte die positive US-Vorgabe den Kursrutsch in Asien.

Am deutschen Aktienmarkt verzeichneten die großen Indizes heute dennoch weiter leichte Kursverluste. So gab der Dax Chart zeigen bis zum Mittag 0,5 Prozent auf 7234 Zähler ab. Der TecDax Chart zeigen verlor 3,3 Prozent auf 805 Zähler. Für den MDax Chart zeigen ging es um 1,9 Prozent auf 9327 Punkte nach unten. Händler begründeten die Kursrückgänge bei den mittelgroßen Werten mit dem anhaltenden Verkaufsdruck von Hedge Fonds, die liquide Mittel benötigten.

Subprime

Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003 in den USA, nachdem der damalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Derzeit sind weltweit noch Ramschhypotheken im Wert von 1,8 Billionen Dollar im Umlauf.

Gestern Abend hatte die Aufholjagd des Dow Jones für ein Aufatmen gesorgt: Als der Handel an der Wall Street gestern Abend lediglich 0,12 Prozent im Minus schloss, hofften einige Experten schon, dass das Schlimmste überstanden sei. Der breiter gefasste S&P-500-Index war sogar um 0,32 Prozent auf 1411 Zähler gestiegen. Auch der Technologie-Index Nasdaq Composite Chart zeigen verlor mit 0,32 Prozent nur wenig. Analysten werteten die Erholung des Index kurz vor Handelsschluss als Zeichen dafür, dass sich der Börsenmarkt nach notwendigen Korrekturen angesichts der US-Immobilienkrise wieder stabilisiert.

Die Hoffnungen allerdings wurden wenige Stunden später wieder getrübt. Denn an den asiatischen Börsen setzte sich die Talfahrt mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Von Hoffnungsschimmern war hier nichts zu sehen. Der japanische Leitindex Nikkei Chart zeigen verlor satte 5,42 Prozent auf 15.273 Punkte - der niedrigste Schlussstand seit dem 7. August 2006 und der größte Tagesverlust seit dem 12. September 2001. Auch der breiter gefasste Topix-Index gab bis Handelsende deutlich nach. Er schloss 5,55 Prozent schwächer bei 1480 Punkten - der niedrigste Stand seit Juli 2006. Der Yen stieg, Preise für Industrie-Metall fielen und die Kurse der Staatsanleihen zogen an. Auf die Frage nach den Ursachen fiel den Analysten nur eine Antwort ein: die Hypothekenkrise in den USA.

kaz/mik/Reuters/AP/dpa/AFP



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