Finanzkrise US-Milliardenkredit für Uruguay

Das zerrüttete Finanzsystem in der "Schweiz Lateinamerikas" soll mit internationalen Hilfsgeldern repariert werden. Der Währungsfonds hat Unterstützung für Uruguay zugesagt, auch die USA überweisen am Montag eine zehnstellige Summe.


Montevideo - Die Vereinigten Staaten werden dem krisengeplagten Land einen Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar gewähren und auszahlen. Das kündigte der amerikanische Botschafter in Montevideo, Martin Silverstein, am Sonntagabend an. Auf seiner Südamerikareise wird der US-Finanzminister Paul O'Neill in den kommenden Tagen auch Uruguay und Argentinien besuchen.

Das US-Geld werde nur zur Überbrückung einer zeitlichen Lücke gewährt, bis der Internationale Währungsfonds (IWF) voraussichtlich am Mittwoch eine Hilfe in gleicher Höhe beschließe, hieß es weiter.

Zuvor hatte Uruguays Parlament Kontenbeschränkungen beschlossen und damit die Voraussetzung für die schnelle Hilfe geschaffen. Ziel war es, die seit Dienstag geschlossenen Banken möglichst wie angekündigt diesen Montag wieder zu öffnen und zugleich einen Sturm der Kontoinhaber auf ihre Banken zu verhindern. Außerdem soll Uruguay so vor einer Abwärtsentwicklung wie im Nachbarland Argentinien geschützt werden.

Wirtschaftsminister Alejandro Atchugarry sagte zum Einfrieren der Bankkonten: "Dies wird eine bittere Medizin sein, aber es ist die einzig mögliche Lösung". Die Regierungspläne sehen vor, den Anlegern drei Jahre lang den Zugriff auf die meisten in Dollar geführten Konten bei den beiden staatlichen Banken zu verweigern. Die betroffenen Anleger sollen Zinsen für ihr Guthaben erhalten. Kunden von privaten Banken haben weiterhin uneingeschränkt Zugriff auf ihre Konten.

Uruguay galt lange Zeit als eines der wirtschaftlich stabilsten Länder der Region, befindet sich jedoch im vierten Jahr einer Rezession. In Argentinien hatte sich die Finanzkrise im vergangenen Dezember dramatisch zugespitzt und inzwischen auch massiv auf Uruguay und Brasilien übergegriffen.



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