Finanzkrise US-Regierung prüft neue Milliardenhilfe für Bank of America

Die amerikanische Finanzbranche wird weiter von schweren Turbulenzen erschüttert. So hat sich die Bank of America offenbar bei der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch verhoben. Laut einem Pressebericht braucht der Geldkonzern Staatshilfen, um die Löcher in der Bilanz zu stopfen.


New York - Neue Hiobsbotschaften erschüttern die leidgeprüfte US-Bankenbranche: Der Finanzkonzern Bank of America soll wegen Schwierigkeiten bei der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch eine weitere staatliche Milliardenspritze erhalten, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ). Die US-Regierung stehe kurz vor der Genehmigung.

Kunden der Bank of America: Neue Staatsgelder sind offenbar nötig
Getty Images

Kunden der Bank of America: Neue Staatsgelder sind offenbar nötig

Die jüngsten Verluste von Merrill Lynch seien noch größer als ohnehin befürchtet. Die Bank of America habe damit gedroht, die offiziell eigentlich bereits zum Jahreswechsel vollzogene Übernahme deswegen nicht abschließen zu können. Ein Scheitern aber könnte die Branche und die Finanzmärkte erneut schwer erschüttern.

Die Regierung werde nun voraussichtlich für einen Teil der Merrill-Lynch-Verluste aufkommen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Dem "WSJ" zufolge würden Einzelheiten der Staatshilfe wahrscheinlich bei der Vorlage der Quartalszahlen der Bank am 20. Januar bekanntgegeben. Möglich sei etwa, dass dem Institut faule Wertpapiere aus dem Merrill-Lynch-Fundus abgenommen werden. Die Bank und die Regierung wollten sich nicht dazu äußern.

Die Bank of America hatte die angeschlagene drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen Mitte September für damals rund 50 Milliarden Dollar in einem Überraschungscoup übernommen. Mit dem Kauf stieg das Unternehmen zum nach Bilanzsumme größten US-Finanzkonzern auf. Als die komplette amerikanische Finanzindustrie im weiteren Jahresverlauf in die Krise geriet, beteiligte sich die US-Regierung im Rahmen des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets mit 25 Milliarden Dollar an dem Geldhaus.

Citigroup zieht Zahlen vor

Auch andere US-Banken kämpfen weiter mit der Krise. So hat sich der frühere Branchenprimus Citigroup ein tiefgreifendes Umbauprogramm verordnet. Die amerikanische Großbank kündigte nun an, die Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2008 um sechs Tage auf kommenden Freitag vorzuziehen.

Anleger und Analysten rechnen mit einem Verlust von mehreren Milliarden Dollar. Die Citigroup Chart zeigen hat jüngst zwei Geldspritzen vom amerikanischen Staat erhalten. Nach 25 Milliarden Dollar im Oktober folgten einen Monat später weitere 20 Milliarden. Jüngst kündigte der Konzern an, sein Brokergeschäft Smith Barney in die Vermögensverwaltung von Morgan Stanley einzubringen. Morgan Stanley zahlt 2,7 Milliarden Dollar für 51 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mitsamt der Option, in fünf Jahren das gesamte Joint Venture an sich zu ziehen.

suc/dpa-AFX/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.