Finanzkrise US-Wirtschaft schrumpft, Rezession droht

Abschwung in Amerika: Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft. Der Hauptgrund für die Flaute ist die schwindende Kauflust - die Konsumdaten sind so schlecht wie seit 1980 nicht mehr.


Washington - Die Finanzkrise hinterlässt deutliche Spuren in der amerikanischen Wirtschaft: Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im dritten Quartal geschrumpft. Nach Angabe des Handelsministeriums ging das BIP auf das Jahr hochgerechnet um 0,3 Prozent zurück. Dies war der stärkste Rückgang seit Sommer 2001. Im zweiten Quartal war die größte Volkswirtschaft der Welt noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 2,8 Prozent gewachsen.

Baustelle in Washington: US-Wirtschaft verliert an Fahrt
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Baustelle in Washington: US-Wirtschaft verliert an Fahrt

Hauptgrund für den Rückgang waren die sinkenden Ausgaben der Verbraucher und nachlassende Investitionen der Firmen, erklärte das Handelsministerium. Die Konsumenten gaben 3,1 Prozent weniger aus als im Frühjahr. Dies war der erste Quartalsrückgang beim privaten Verbrauch seit Ende 1991 und das stärkste Minus seit 1980. Die Ausgaben für Verbrauchsgüter wie Lebensmittel und Papierwaren brachen so stark ein wie nie seit Ende 1950. Die Konsumausgaben sind für die Wirtschaft in den USA so wichtig, da sie rund zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes ausmachen.

Auch die Firmen blicken offenbar skeptisch in die Zukunft. Sie drosselten ihre Ausrüstungsinvestitionen um 5,5 Prozent. Dabei verhinderte die Regierung mit einer Ausweitung der Staatsausgaben von fast 14 Prozent einen noch kräftigeren Einbruch der Wirtschaft.

Zudem hat sich die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Woche überraschend nicht verändert. Der Wert verharrte bei 479.000, teilte die US-Regierung mit. Volkswirte hatten zuvor mit einem Rückgang auf 475.000 gerechnet. Der Wert der Vorwoche wurde von 478.000 auf 479.000 revidiert.

USA vor der Rezession

Die größte Volkswirtschaft der Welt steht nach Ansicht von Experten am Rande einer Rezession. Das BIP in den USA wird sich nach Einschätzung der UniCredit im vierten Quartal weiter stark abschwächen. Das Wachstum der Regierungsausgaben wie im dritten Quartal wird sich dann nicht wiederholen, schreibt die Bank in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. "Von der heimischen Nachfrage bekommt die US-Wirtschaft keinerlei Schub", sagte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Trotz der trüben Aussichten gab sich das Weiße Haus zuversichtlich. "Wie stehen zwar weiterhin vor ernsthaften Herausforderungen, die Vereinigten Staaaten bleiben aber der beste Standort, um Geschäfte zu machen", sagte die Sprecherin des Präsidialamtes, Dana Perino.

Seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 hat die US-Notenbank ihre Geldpolitik kräftig gelockert, um der schwächelnden Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Am Mittwochabend senkte die Federal Reserve ihren Leitzins von 1,5 auf ein Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Mitte 2004. Die Zentralbanker um Ben Bernanke begründeten ihren Schritt mit dem kräftigen Abschwung, für den sie vor allem auch die Zurückhaltung der US-Verbraucher verantwortlich machten.

Allerdings hatten Beobachter im abgelaufenen Quartal für die Gesamtwirtschaft mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Sie hatten ein Minus von etwa 0,5 Prozent erwartet. Der am Donnerstag veröffentlichte Wert ist jedoch nur eine erste Schätzung, die sich in den nächsten Monaten noch deutlich ändern kann.

Trotz der drohenden Rezession reagierte die US-Börse mit Kursgewinnen auf die BIP-Veröffentlichung, zumal das vorhergesagte Minus von 0,5 Prozent sich nicht bestätigte. Der Dow Jones legte zum Handelsauftakt um 2,31 Prozent auf 9198,93 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq Composite Chart zeigen kletterte um 2,61 Prozent auf 1336,10 Zähler.

suc/dpa/Reuters/dpa-AFX



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