Finanzkrise Wirtschaftsstimmung in Europa rutscht auf 15-Jahres-Tief

Die Finanzmarktkrise drückt auf die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten - das geht aus einem Index der EU-Kommission hervor. Demnach fiel der Indikator im Oktober auf den tiefsten Stand seit 1993. In Deutschland sind die Verbraucher noch relativ gelassen.


Brüssel - Wirtschaftsabschwung, Konjunkturprobleme, Finanzmarktkrise - kein Wunder, dass die Stimmung schlecht ist. Der EU-Kommission zufolge ist sie sogar so schlecht wie schon lange nicht mehr: Der Stimmungsindex ESI (Economic Sentiment Indicator) fiel im Oktober auf den niedrigsten Wert seit 1993. Er stürzte um 7,4 auf 77,5 Punkte. Das teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Dies sei der stärkste Abfall innerhalb eines Monats, der je gemessen wurde, erklärte die Kommission. Volkswirte hatten zuvor mit einem wesentlich moderateren Rückgang gerechnet.

Schlussverkauf in England: Nachlassende Zuversicht der Verbraucher
REUTERS

Schlussverkauf in England: Nachlassende Zuversicht der Verbraucher

Der Index spiegelt vor allem die Stimmung in der Industrie, dem Dienstleistungssektor und dem Konsumgüterbereich wider. Am stärksten ließ die Zuversicht in gute Geschäfte in den Niederlanden (minus 11,3 Punkte) nach. In Deutschland war der Rückgang mit 4,8 Punkten weniger stark als in Frankreich (6,5), Italien (8,1) und Großbritannien (5,7).

Mit einem Wert von 88,6 Punkten liegt der Index in Deutschland vergleichsweise hoch. Das stimmt mit einer am Dienstag veröffentlichten Konsumklimastudie des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK überein, wonach die Verbraucherstimmung in Deutschland trotz der Finanzmarktkrise auf niedrigem Niveau stabil ist. Der GfK zufolge steigt sogar das Vertrauen der Verbraucher in Deutschland wieder, weil sie mit leicht steigendem Einkommen rechnen. Zudem nehme die Inflation, die im Sommer ein 15-Jahres-Hoch erreichte, wieder ab. Entsprechend stieg der GfK-Konsumklima-Index diesen Monat leicht.

Der ESI setzt sich aus insgesamt fünf Indikatoren zusammen: Außer der Industrie, die mit 40 Prozent gewichtet wird, dem Dienstleistungssektor (30 Prozent) und dem Verbrauchervertrauen (20 Prozent) gehen das Vertrauen der Bauwirtschaft und des Einzelhandels mit je fünf Prozent ein.

In allen betrachteten Sektoren trübte sich die Stimmung europaweit ein. In der Industrie sank das Vertrauen von minus zwölf Punkten auf minus 18 Punkte - erwartet wurde ein Absinken auf minus 14 Punkte. Im Dienstleistungssektor verschlechterte sich die Stimmung von null auf minus sechs Punkte. Die Erwartungen lagen hier bei minus zwei. Das Verbrauchervertrauen sank von minus 19 Punkten auf minus 24 Punkte anstatt, wie erwartet, auf minus 20. Im Einzelhandel verringerte sich das Vertrauen von minus acht auf minus 13 Punkte, während die Stimmung im Bausektor von minus 16 auf minus 20 Punkte sank.

In der Gruppe der 15 Länder mit Euro-Währung sank der umfassendere Geschäftsklimaindex im Oktober von minus 0,82 auf minus 1,34 Punkte. Dies ist der schlechteste Wert sei November 2001.

kaz/dpa/AP/dpa-AFX



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