Finanzmarktkrise Fed zieht Notbremse - Dow Jones und Dax springen nach oben

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Diskontsatz um einen halben Punkt gesenkt, die Aktienkurse schießen ins Plus. Der US-Leitindex Dow Jones legte zu Handelsbeginn kräftig zu. Auch die Kurse in Frankfurt setzten zum Höhenflug an.


New York - Die Wall Street hat heute im frühen Handel angesichts der überraschenden Senkung des amerikanischen Diskontsatzes durch die US-Notenbank (Fed) mit massiven Kursgewinnen reagiert. Der Offenmarktausschuss der Notenbank in Washington hat den Diskontsatz von 6,25 Prozent auf 5,75 Prozent reduziert, um den Auswirkungen der ausufernden Finanzmarktkrise zu begegnen.

Die Fed begründete den unerwarteten Schritt mit einer gestiegenen Unsicherheit an den Finanzmärkten. Die Finanzierungsbedingungen hätten sich verschlechtert. Schwieriger zu bekommende Kredite und eine steigende Unsicherheit könnten das Wirtschaftswachstum behindern, erklärte die Notenbank. Sie habe den Diskontsatz für die Ausleihungen der Geschäftsbanken bis auf weiteres verringert, um wieder geordnete Bedingungen an den Finanzmärkten zu gewährleisten und die Liquidität der Marktteilnehmer merklich zu verbessern. Den Satz für ausgeliehenes Tagesgeld (Fed Funds), der auch für den Handel zwischen Banken wichtig ist, ließ die Notenbank mit 5,25 Prozent unverändert.

Der Dow-Jones-Index Chart zeigenlegte um 0,9 Prozent auf 12.962 Punkte zu und pendelte damit um die 13.000-Punkte-Marke, unter die er am Mittwoch erstmals seit April gefallen war. Größte Gewinner waren Aktien von Banken, die im Zuge der US-Kreditkrise in den vergangenen Tagen am stärksten verloren hatten.

Bundesregierung sieht keine Gefahr für die Konjunktur

Auch die Frankfurter Börse reagierte positiv auf das Zinssignal der Fed. Der Dax Chart zeigen, der am Morgen noch im Minus lag, drehte nach Bekanntwerden der Zinssenkung ins Plus. Am späten Nachmittag notierte er bei 7352 Punkten (plus 1,1 Prozent). Auch hier legten die in den vergangenen Tagen arg in Mitleidenschaft gezogenen Finanztitel besonders zu. Der TecDax Chart zeigen stieg um 0,4 Prozent auf 836 Zähler. Der MDax Chart zeigen lag nach anfänglichen Zuwächsen wieder mit 0,4 Prozent im Minus bei 9469 Punkten.

Zuvor hatte Bundesfinanzminister Per Steinbrück (SPD) betont, es gebe wegen der Turbulenzen am Finanzmarkt "keinen Grund zur Nervosität über die Realwirtschaft". Zudem seien die Aussichten auf 2008 günstig. Die führenden Industrienationen stünden wegen der Situation an den Finanzmärkten in Kotakt. Ziel sei es, die Turbulenzen in Griff zu bekommen. Ein Sondertreffen der G-7-Finanzminister werde es aber nicht geben.

Auch der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte, eine Gefahr für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft durch die US-Kreditkrise sehe die Bundesregierung nicht. "Ungeachtet der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten sind die realwirtschaftlichen Aussichten unverändert positiv."

Der Dow war in den vergangenen Tagen wegen der enormen Finanzmarktprobleme ebenso wie die Börsenbarometer in Europa, Asien, Australien und Lateinamerika drastisch gefallen. Die US-Finanzmärkte sowie Händler in Frankfurt werteten die Zinsaktion als klaren Beweis dafür, dass die amerikanischen Währungshüter unter Notenbankchef Ben Bernanke einer Eskalation der Finanzmarktkrise mit allen Mitteln begegnen wollen.

kaz/AP/Reuters/dpa/AFP

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