Finanzmarktkrise US-Börsenaufsicht will Macht der Ratingagenturen beschränken

Sie sollen für die weltweite Finanzmarktkrise verantwortlich sein, deshalb reagiert die amerikanische Börsenaufsicht: Die SEC will die heftig umstrittenen Ratingagenturen beschneiden - künftig sollen ihre Bewertungen bei bestimmten Finanzgeschäften keine Rolle mehr spielen.


New York - Wird aus den Plänen Wirklichkeit, wäre es eine kleine Revolution: Bisher waren die Bewertungen der Ratingagenturen Gesetz, doch künftig sollen sie bei bestimmten Finanzgeschäften keine Rolle mehr spielen. Das berichtete das "Wall Street Journal" am Dienstag. So sollen Geldmarktfnds nicht mehr nur in Papiere mit höchsten Bewertungen der Ratingagenturen investieren dürfen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Insider. Die Fondsmanager sollen stattdessen mehr Verantwortung übernehmen und nicht nur den Noten der Agenturen praktisch blind vertrauen. Auch Kreditratings für Investmentbanken sollen demnach an Bedeutung verlieren.

Grund für die Reformen: Die Anbieter wie Standard & Poor's und Moody's stehen seit Monaten massiv in der Kritik, weil sie Top-Noten für Finanzanlagen vergaben, die wenig später fast wertlos waren und so die Kreditkrise mit auslösten. Offiziell vorstellen will die SEC ihre Vorschläge laut "Wall Street Journal" am Mittwoch. Sie zielten unter anderem auf den rund 3,4 Billionen Dollar (2,2 Billionen Euro) schweren Geldmarkt.

Ratingagenturen bewerten unter anderem die Güte von Wertpapieren sowie die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten. Besonders die Politik wirft ihnen vor, in der Finanzmarktkrise zu spät reagiert und versagt zu haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte erst kürzlich für eine eigene europäische Ratingagentur in Konkurrenz zu den US-Marktführern Standard & Poor's und Moody's.

sam/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.