Großbritannien in der Krise Finanzminister Hunt kündigt Rücknahme des Entlastungsprogramms an

Premierministerin Truss war mit einem milliardenschweren Konjunkturprogramm angetreten, doch nach schweren Turbulenzen an den Finanzmärkten bleibt davon wenig übrig. Der neue Finanzminister verspricht eine Kehrtwende.
Finanzminister Jeremy Hunt nach seiner Ernennung

Finanzminister Jeremy Hunt nach seiner Ernennung

Foto: Stefan Rousseau / PA Wire / dpa

Der neue britische Finanzminister Jeremy Hunt hat einen Großteil des von der Regierung erst vor wenigen Wochen angekündigten Konjunkturpakets rückgängig gemacht, darunter auch die geplante Senkung der Einkommensteuer. In einer Regierungserklärung sagte Hunt, dass er »fast alle« der im vergangenen Monat angekündigten Steuersenkungen streiche. Außerdem signalisierte er, dass Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben geplant seien. »Das wichtigste Ziel für unser Land ist jetzt Stabilität«, so der Schatzkanzler. Außerdem soll die Laufzeit des staatlichen Energiepreisdeckels von zwei Jahren auf die Dauer von sechs Monaten verkürzt werden.

Am Freitag hatte Premierministerin Liz Truss Finanzminister Kwasi Kwarteng entlassen und Hunt zu seinem Nachfolger ernannt. Seit Kwarteng Ende September Details zu Steuerplänen bekannt gegeben hatte, die über Schulden finanziert werden sollten, war es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten gekommen, da es Zweifel an der Finanzierbarkeit gab. Die britische Notenbank musste mit Anleihenkäufen eingreifen. Steigende Zinsen für Immobilienkredite verschärften für viele Hausbesitzer die Krise der Lebenshaltungskosten.

Am Sonntag traf Truss sich mit Hunt auf ihrem Landsitz, um den neuen Haushaltsplan auszuarbeiten. Der Finanzminister kam am Abend zudem mit Zentralbankchef Andrew Bailey und dem Chef der Finanzbehörde DMO zusammen, um über das Vorhaben zu beraten.

Hunt wirke wie ein Lehrer, der eine scheiternde Schule wieder auf Vordermann bringen solle, sagte Susannah Streeter von der britischen Investmentgesellschaft Hargreaves Lansdown. Er stehe nun vor seiner ersten Bewährungsprobe mit einem Notfallbudget, das die Finanzmärkte beruhigen solle. Truss jedoch bleibe immer noch an der Macht und habe »das letzte Wort über die Richtung der Reise«.

Dass Hunt nun noch einmal nachlegt, gilt als Zeichen, dass die Regierung die Lage als äußerst ernst einschätzt. Doch glaubt man britischen Medien, ist Truss als Regierungschefin ohnehin kaum noch zu halten. Demnach wird in der konservativen Regierungspartei bereits ihr Sturz vorbereitet.

hej/Reuters/AFP
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