Finanzpolitik US-Notenbank legt Zinspause ein

Erstmals seit zwei Jahren hat die US-Notenbank eine Zinspause eingelegt. Der zuständige Offenmarktausschuss ließ nach 17 Erhöhungen der Zinsen in Folge den geltenden Zinssatz von 5,25 Prozent für Tagesgeld unverändert.


Washington - Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre mehr als zwei Jahre währende Serie von Zinserhöhungen beendet. Der Zinssatz bleibe bei 5,25 Prozent, teilte der Offenmarktausschuss heute nach seiner Sitzung in Washington mit. Wegen einer deutlichen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und der jüngsten Schwäche am Arbeitsmarkt hatten Experten mehrheitlich mit dieser Entscheidung gerechnet.

Fed-Chef Bernanke: Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent
DPA

Fed-Chef Bernanke: Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent

Einige Wirtschaftsindikatoren hätten auf ein sich verlangsamendes Wachstum gedeutet, die Preise und Gehälter stiegen jedoch weiter, erläuterten die Währungshüter. Die Pause bei den Zinserhöhungen könnte deshalb zeitlich begrenzt sein, sollte sich die Inflation als hartnäckig erweisen. Zeitpunkt und Ausmaß weiterer Zinserhöhungen wollen die Notenbanker von dem Wirtschafts- und Inflationsausblick abhängig machen.

Über die Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf herrschte am Finanzmarkt bis zuletzt großes Rätselraten, da die Fed derzeit in einer Zwickmühle steckt. Einerseits kühlt sich die US-Konjunktur ab: Im Frühjahr hatte die Wirtschaft nur halb so kräftig zugelegt wie am Jahresanfang. Andererseits klettern die Preise schon seit längerem schneller, als der Fed lieb ist. Die Notenbanker fürchten, dass der Rekordpreis beim Öl die Inflation weiter anheizt. Auch die Löhne in den USA steigen weiterhin kräftig.

An den internationalen Aktienmärkten geht schon seit Monaten die Angst um, dass die Fed mit weiteren Zinserhöhungen das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt abwürgt. Eine Verteuerung der Kredite hält Firmen von Investitionen ab und schmälert ihre Gewinne. Auch die Kauflust der Verbraucher nimmt ab, wenn sich Kredite verteuern.

tim/Reuters



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