Finanzwerte im Plus Deutsche Anleger wetten auf das Ende der Krise

Wechselspiel an den Weltbörsen: Der Dow Jones schließt nach fulminanter Aufholjagd nur knapp unter dem Niveau des Vortages - Asiens Börsen beenden den Handel dagegen mit Rekordverlusten. Europas Aktienmärkte wiederum stabilisieren sich.


Frankfurt am Main/New York/Tokio/Phoenix - Die gemischten Vorgaben sorgten zum Handelsstart in Europa noch für Verunsicherung. Dann allerdings verdrängte die positive US-Vorgabe den Kursrutsch in Asien.

Börsenhändler in Frankfurt: Hoffen auf das Ende der Krise
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Börsenhändler in Frankfurt: Hoffen auf das Ende der Krise

Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 Chart zeigen gewann im frühen Handel 0,84 Prozent auf 4096,54 Zähler. Der Stoxx 50 Chart zeigen, der auch Schweizer und britische Werte umfasst, stieg um 0,97 Prozent auf 3581,15 Zähler. Der Euronext Chart zeigen gewann 0,78 Prozent auf 941,34 Punkte. In Paris ging es für den CAC 40 Chart zeigen um 0,75 Prozent auf 5304,84 Punkte nach oben. Der FTSE 100 Chart zeigen stieg um 1,12 Prozent auf 5924,50 Zähler.

Auch am deutschen Aktienmarkt greifen die Anleger nach anfänglichem Zögern wieder zu. Der Dax rutschte zu Handelsbeginn unter 7200 Punkte, machte die Verluste aber nach kurzer Zeit wieder wett. Zwischenzeitlich war er leicht im Plus, zurzeit steht der Index minimal im Minus.

Finanzwerte machen Verluste wett

Insbesondere die jüngst stark gebeutelten Finanzwerte machten einen Teil ihrer kräftigen Verluste der vergangenen Tage wett. Unter anderem gewannen ABN Amro Chart zeigen Holding 3,23 Prozent auf 32,88 Euro, in Frankreich legten BNP Paribas Chart zeigen um 2,40 Prozent auf 76,46 Euro zu. Auch Societe Generale und Credit Agricole Chart zeigen gehörten zu den Top-Werten. In London Chart zeigen stiegen Barclays Chart zeigen um 1,82 Prozent auf 616,00 Pence.

Gestern Abend hatte die Aufholjagd des Dow Jones für ein Aufatmen gesorgt: Als der Handel an der Wall Street lediglich 0,12 Prozent im Minus schloss, hofften einige Experten schon, dass das Schlimmste überstanden sei. Der breiter gefasste S&P-500-Index war sogar um 0,32 Prozent auf 1411 Zähler gestiegen. Auch der Technologie-Index Nasdaq Composite Chart zeigen verlor mit 0,32 Prozent nur wenig. Analysten werteten die Erholung des Index kurz vor Handelsschluss als Zeichen dafür, dass sich der Börsenmarkt nach notwendigen Korrekturen angesichts der US-Immobilienkrise wieder stabilisiert.

Die Hoffnungen allerdings wurden wenige Stunden später wieder getrübt. Denn an den asiatischen Börsen setzte sich die Talfahrt mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Von Hoffnungsschimmern war hier nichts zu sehen. Der japanische Leitindex Nikkei Chart zeigen verlor satte 5,42 Prozent auf 15.273 Punkte - der niedrigste Schlussstand seit dem 7. August 2006 und der größte Tagesverlust seit dem 12. September 2001. Auch der breiter gefasste Topix-Index gab bis Handelsende deutlich nach. Er schloss 5,55 Prozent schwächer bei 1480 Punkten - der niedrigste Stand seit Juli 2006. Der Yen stieg, Preise für Industrie-Metall fielen und die Kurse der Staatsanleihen zogen an. Auf die Frage nach den Ursachen fiel den Analysten nur eine Antwort ein: die Hypothekenkrise in den USA.

First Magnus Financial vor dem Konkurs

Ein wichtiger Auslöser für die Anlegerflucht war die Nachricht, dass First Magnus Financial, eine der größten privaten Hypothekenbanken, ihre Geschäfte einstellten. Ab sofort würden keine neuen Kredite mehr vergeben, teilte Marketing-Chef Gary Baraff gestern in Phoenix mit. Möglicherweise müsse das Institut ein Konkursverfahren einleiten.

Subprime

Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003 in den USA, nachdem der damalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Derzeit sind weltweit noch Ramschhypotheken im Wert von 1,8 Billionen Dollar im Umlauf.

First Magnus wurde in den Strudel der Liquiditätskrise im Immobiliengeschäft gerissen, obwohl sich die Bank aus dem "Sub-Prime"-Geschäft herausgehalten hatte. In diesem Bereich des Hypothekengeschäfts mit potentiellen Risiken nahm die Immobilienkrise am 3. August ihren Anfang. Damals stoppte das Institut American Home Mortgage die Kreditvergabe und reichte drei Tage danach einen Konkursantrag ein.

First Magnus hat im vergangenen Jahr mehr als 30 Milliarden Dollar an Krediten vergeben. Die Bank beschäftigt mehr als 5500 Mitarbeiter in mehr als 300 Niederlassungen in allen 50 US-Staaten. Für die meisten Angestellten sei der Donnerstag vermutlich der letzte Arbeitstag gewesen, sagte Baraff.

In schwieriges Fahrwasser ist auch Fannie Mae geraten, das mit Hypotheken anderer Institute und Bürgschaften handelt. Nach einem Ertragsrückgang um 36 Prozent im vergangenen Jahr seien in diesem Jahr verstärkte Abschreibungen von Krediten zu erwarten, teilte das Institut in Washington mit.

Japanische Notenbank schießt Bargeld nach

Fannie Mae finanziert oder bürgt für jeden fünften Immobilienkredit in den USA. Das Institut wurde vom US-Kongress gegründet, um Familien mit geringem Einkommen den Hausbesitz möglich zu machen.

Es gebe Indizien, dass die weltweiten Turbulenzen an den Märkten zu einem größeren Vertrauensverlust bei den Investoren führen, hieß es danach in Tokio. "Die größte Sorge für die asiatischen Märkte ist, ob man einem Wirtschaftsabschwung in den USA folgen wird, der die Verbraucher-Nachfrage beeinträchtigen wird", sagte Lim Chang-gue, Fonds-Manager bei Samsung Investment Trust Management in Südkorea. "Wenn wir handfeste Zeichen dafür sehen, dass das passiert, dann bin ich in Sorge, dass weltweit an den Märkten Pessimismus eintreten wird."

Um die Liquidität auf dem Geldmarkt sicherzustellen, stellte die japanische Notenbank weitere 1,2 Billionen Yen (7,85 Milliarden Euro) bereit. Der Schritt sei eine Reaktion auf eine wieder ansteigende Nachfrage der Banken nach frischem Geld, hieß es weiter. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank hatten in den vergangenen Tagen große Summen bereitgestellt, um den Kreditmarkt zu stützen.

mik/Reuters/AP/Dow Jones/AFP



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