Fischereiwirtschaft EU einigt sich auf neue Fangquoten

Bedrohte Fischarten schützen und Arbeitsplätze in der Fischereiwirtschaft sichern - zwischen diesen Polen suchten die EU-Landwirtschaftsminister nach neuen Fangquoten für das Jahr 2007. Nach dreitägigen Verhandlungen wurden sie sich heute einig.


Brüssel - Die EU-Staaten haben sich heute auf die Fischfang-Quoten für 2007 geeinigt. Das gab der finnische Landwirtschaftsminister und EU-Ratspräsident Juha Korkeaoja in Brüssel bekannt. EU-Fischereikommissar Joe Borg musste Abstriche bei seinen Vorschlägen zum Schutz des besonders bedrohten Kabeljaus in der Nordsee akzeptieren. Er wollte ursprünglich die Höchstfangmenge um ein Viertel verringern und auch die den Flotten erlaubten Fangtage auf See kürzen.

Fischkutter auf der Ostsee: Fischbestände sollen sich erholen - und gleichzeitig Arbeitsplätze gesichert werden
DPA

Fischkutter auf der Ostsee: Fischbestände sollen sich erholen - und gleichzeitig Arbeitsplätze gesichert werden

Die Fangquoten für Kabeljau wurden am stärksten für die Fischgründe westlich von Schottland und in der keltischen See gesenkt, nämlich um 20 Prozent. Für die übrigen Fischgründe wurde eine Kürzung um höchstens 15 Prozent vereinbart.

Der Kommissionsvorschlag sah zudem vor, Sardellen im ersten Halbjahr 2007 ganz vom Fischfang auszunehmen. Damit sollte es den Beständen erlaubt werden, sich zu erholen. Den großen Fischereinationen wie Frankreich, Spanien und Dänemark ging dies zu weit. Die Gegner des Vorschlags machten geltend, die Kommissionspläne vernichteten Arbeitsplätze. Die Einigung sieht nun vor, dass die Sardellenfischerei nur im Golf von Biskaya zwischen Frankreich und Spanien ausgesetzt wird. Bis April dürfen Sardellen dort nur "zu Forschungszwecken" gefangen werden.

Bereits Ende Oktober hatte sich die EU auf einen besseren Schutz der Kabeljau- und Lachsbestände in der Ostsee geeinigt. Umweltschützern geht dies jedoch nicht weit genug. Sie fürchten ein Aussterben bedrohter Fischarten.

Der deutsche Agrar-Staatssekretär Gert Lindemann sagte nach den Marathonverhandlungen: "Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt." Die Quoten und Fangmengen seien entsprechend der Stärke der Bestände angepasst worden. "Dies ist ein guter Schritt in Richtung einer deutlichen Bestandserholung", sagte er. "Auf der anderen Seite haben wir mit dem nicht im Bestand gefährdeten Seelachs Alternativen geschaffen, die der deutschen Fischerei eine Existenzsicherung ermöglichen."

Unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft, die am 1. Januar beginnt, sollen zügig Pläne beschlossen werden, die den ebenfalls überfischten Beständen an Schollen und Seezungen die Chance zur Erholung gibt. Ein sogenannter Bestandssicherungsplan für diese beiden Fischarten scheiterte am Widerstand Belgiens und der Niederlande.

kaz/dpa-AFX/AFP/AP



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