Flächenfraß und Wohnungsnot Vermieter wollen Fläche pro Kopf beschränken lassen

Trotz grassierender Wohnungsnot haben die Menschen im Schnitt immer mehr Platz zum Wohnen. Ein Vermieterverband hält deshalb eine »Wohnraumbegrenzung« für sinnvoll.
Wohngebiet in Sachsen-Anhalt: Wie viel Raum braucht es zum Leben?

Wohngebiet in Sachsen-Anhalt: Wie viel Raum braucht es zum Leben?

Foto: Jan Woitas / dpa

Im Kampf gegen den Wohnungsmangel hat der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) drastische Maßnahmen vorgeschlagen. »Wir sollten über rechtliche Möglichkeiten zur Wohnraumbegrenzung nachdenken«, sagt die Chefin des BBU, Maren Kern, der »Zeit«.

»Es geht nicht, dass wir über Knappheit klagen und gleichzeitig die Wohnfläche pro Kopf vielerorts weiter steigt«. Die Mitglieder des Verbands bewirtschaften mehr als eine Million Wohnungen.

Mindestens zu dritt in einer Vierzimmerwohnung?

Vorbild könne die Schweiz sein, wo eine Begrenzung bei vielen Wohnungsgenossenschaften möglich sei. »In einer Vierzimmerwohnung beispielsweise müssen dann mindestens drei Personen wohnen. Zieht ein Kind irgendwann aus, wird den Eltern eine kleinere Wohnung angeboten, oder sie müssen eine Unterbelegungsabgabe zahlen. Wir sollten schauen, dass auch das deutsche Mietrecht diese Möglichkeit eröffnet«, sagt Kern.

Der Wohnflächenverbrauch pro Kopf steigt in Deutschland seit Jahren stark an. Rechnerisch bewohnt jeder Mensch in Deutschland mehr als 45 Quadratmeter. Im Jahr 1991 waren es noch 34,9 Quadratmeter.

Gerade auf dem Land haben Menschen immer mehr Raum zur Verfügung. Laut einer Auswertung des Immobiliendienstleisters Empirica Regio ist die Wohnfläche pro Kopf zwischen 2015 und 2020 in ländlichen Regionen mit plus 3,7 Prozent am stärksten gestiegen. In Großstädten lag der Zuwachs noch bei 1,5 Prozent.

»Gerade ländliche Regionen haben noch genügend Bauland und -platz, um neuen Wohnraum zu schaffen. Dort dominieren Einfamilienhäuser mit einem großen Flächenverbrauch pro Kopf«, sagte Jan Grade, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters. »In peripheren Räumen führen aber auch zunehmende Alterung, der Wegzug der jungen Menschen und damit steigende Leerstände zu einer erhöhten Pro-Kopf-Wohnfläche.«

Christine Hannemann, Wohnforscherin von der Universität Stuttgart, findet, dass 25 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf ausreichend seien. Mehr brauche es nicht. Zumal mit jedem Quadratmeter zusätzlicher Wohnfläche die psychische Belastung steige. »Es wird oft unterschätzt, wie viel Arbeit Wohnen bedeutet.«

hej
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