FlowTex-Affäre Manfred Schmider und das "Harry-Potter-Phänomen"

Der ehemalige FlowTex-Chef Manfred Schmider muss sich doch uneingeschränkt dem Vorwurf des Milliardenbetrugs stellen. Er kann sich nicht mehr auf verminderte Schuldfähigkeit wegen Größenwahns berufen.

Mannheim - Schmider leide an keiner seelischen Krankheit, sagte der Gießener Psychiater Willi Schumacher am Dienstag vor dem Mannheimer Landgericht. Der Wissenschaftler korrigierte damit sein vor Prozessbeginn vorgelegtes schriftliches Gutachten. Darin hatte er eine verminderte Schuldfähigkeit Schmiders wegen Megalomanie (krankhaftem Größenwahn) nicht ausgeschlossen.

Anlass der psychiatrischen Gutachten war Schmiders luxuriöser Lebenswandel mit Villen rund um den Globus, Luxusyacht und drei Privatflugzeugen - eines davon 88 Millionen Mark teuer. Nach Untersuchungen des Insolvenzverwalters hatte der ehemalige Gebrauchtwagenhändler über 360 Millionen Mark FlowTex-Gelder abgezweigt, um seinen Lebenswandel finanzieren zu können.

Laut dem neuen Gutachten diagnostiziert Psychiater Schumacher nun ein "Harry-Potter-Phänomen" der halluzinatorischen Wunscherfüllung. Dies sei aber nicht als echte geistige Störung zu sehen. Schmider habe sein ganzes Leben einen Kampf gegen Minderwertigkeitsgefühle und Selbstzweifel geführt. "Dieses innere Image des Gebrauchtwagenhändlers, das hat er all die Jahre zu überwinden versucht." Auch wenn Schmider von dem Wunsch nach immer Größerem getrieben gewesen sei, könne man daraus keinen krankhaften Größenwahn oder eine geistige Störung ableiten, so Schumacher.

Die FlowTex-Gruppe soll unter der Leitung Schmiders und seines Ex-Kompagnons Klaus Kleiser einen strafrechtlichen Schaden von über vier Milliarden Mark angerichtet haben. Das Unternehmen hatte unter anderem über 3000 nicht existente Bohrsysteme für den unterirdischen Leitungsbau verkauft. Das Urteil wird für den 18. Dezember erwartet.

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