Flowtex-Skandal Schmider darf wieder zurück nach Mannheim

Der frühere Flowtex-Chef Manfred Schmider hat im Streit um seine psychiatrische Begutachtung einen Sieg errungen. Das Bundesverfassungsgericht ordnete an, dass Schmider aus der Justizvollzugsanstalt Stuttgart, wohin er zur Untersuchung wegen des Verdachts auf Größenwahn verlegt worden war, wieder in die JVA Mannheim zurückgebracht werden muss.

Karlsruhe - Seit Dienstag ist Schmider wieder in seiner angestammten Einzelzelle. Die Unterbringung und Untersuchung Schmiders in Stuttgart, letzten Endes angeordnet durch das OLG Karlsruhe, habe womöglich in "unzulässiger Weise in seine Verteidigungsrechte eingegriffen, mithin gegen die Grundsätze fairen Verfahrens verstoßen", befand das Bundesverfassungsgericht. Schmiders Frankfurter Anwalt Wolf Schiller hatte geltend gemacht, er könne seinen Mandanten in Stuttgart - anders als in Mannheim - nicht mehr angemessen auf die Hauptverhandlung vorbereiten. Die Anfahrtswege seien zu lang, die Besuchszeiten zu kurz und die Gerichtsakten lägen nur in Mannheim zur Einsicht aus. Außerdem gebe es durch die Begutachtung, mit der die Verteidigung nicht einverstanden ist, unzumutbare Belastungen für Schmider: In Stuttgart, wo Schmider in einer Dreibett-Zelle untergebracht war, leide er unter der ständigen Beobachtung durch Ärzte, Pfleger und Mitgefangene.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim hatte der Gießener Psychiater Willi Schumacher Schmider attestiert, er leide womöglich an Größenwahn, der seine Schuldfähigkeit und damit seine Strafbarkeit mindere. Die zuständige Wirtschaftsstrafkammer ordnete daraufhin eine Zweitbegutachtung an, weil der Erstgutachter seine Kompetenzen überschritten und sich allein auf die Darstellung Schmiders gestützt habe. Schmider weigerte sich aber, sich erneut begutachten zu lassen und legte zunächst beim OLG Karlsruhe Beschwerde ein. Auf dessen Beschluss hin entging Schmider zwar der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, wurde aber zur weiteren Beobachtung in die ärztliche Abteilung der JVA Stuttgart gebracht. Weil die "aufgezeigten Nachteile" dieser Maßnahme für Schmider das Untersuchungsinteresse des Staates überwiegen, gab schließlich das Bundesverfassungsgericht dem Eilantrag Schmiders statt (Az. 3 Ws 154/01).

Im Fall des zusammengebrochenen Flowtex-Imperiums, über den das Landgericht Mannheim vom 25. September an verhandeln wird, sollen Manfred Schmider und seine Mitangeklagten einen Schaden von rund 4 Milliarden Mark angerichtet haben. Schmider und seine Komplizen hatten ihren Geldgebern, vornehmlich Banken aus dem süddeutschen Raum, einen riesigen Maschinenpark vorgegaukelt, in dem sie immer wieder dieselben Maschinen mit neuen Typenschildern ausstatteten. Diesen in Wahrheit nicht vorhandenen Bohrgeräte übereigneten sie nach und nach den Banken zur Sicherheit und kassierten dafür Milliardenkredite. Der ebenso beleibte wie bei Stuttgarter Landespolitikern - jedenfalls bis zu seinem Auffliegen - beliebte Geschäftsmann soll an die 300 Millionen Mark, die er mit seinen Luftbohrern herbeizauberte, in Luxusvillen in Florida, St. Moritz Uruguay und auf Ibiza, in Jachten, Flugzeugen und teuren Autos angelegt haben.

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