Flucht nach vorn E.on gibt Startschuss für Gas-Wettbewerb

Bis Oktober will die Bundesnetzagentur gründlich durchgreifen auf dem von großen Konzernen beherrschten Gasmarkt. Jetzt hat der Energieversorger E.on seinen Kunden angekündigt, sie könnten schon ab April den Versorger wechseln.


Berlin - Haushalte und Kleingewerbe in den Gebieten der E.on-Regionalversorger und der Thüga könnten ab dem 1. April neue Gasanbieter wählen, teilte der Düsseldorfer E.on-Konzern heute mit. Das Gas werde zwar weiter vom bisherigen E.on-Gasversorger geliefert, der Kunde habe aber einen neuen Vertragspartner. Details des Modells sollen den Angaben zufolge in Kürze veröffentlicht werden.

Erdgas-Speicher in Hamburg: Bis Oktober müssen andere Versorger dem Beispiel folgen
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E.on-Vorstandsmitglied Burckhard Bergmann erklärte, sein Unternehmen sei damit ein "Vorreiter für den Wettbewerb auf dem Gasmarkt". Den imageträchtigen Schachzug hat das Unternehmen auch bitter nötig. Zuletzt war der Konzern stark unter Beschuss geraten, wegen Reisen, die E.on für Aufsichtsräte und Mitarbeiter von 28 kommunalen Versorgern in Nordrhein-Westfalen bezahlt haben soll, um sie wohlwollend für Lieferverträge zu stimmen.

Die Bezeichnung als Vorreiter trifft die Sachlage aber insofern ziemlich genau, als andere Gasanbieter dem werbeträchtigen Beispiel von E.on schon bald gezwungenermaßen folgen werden. Die zuständige Bundesnetzagentur will bis Oktober den Markt neu ordnen und es allen Verbrauchern ermöglichen, ihre Gasanbieter frei zu wählen. Ende Januar hatten die Aufsichtsbehörde und die Gaswirtschaft mit einer Grundsatzvereinbarung die Weichen dafür gestellt.

Derzeit haben in vielen Gegenden Deutschlands Großanbieter wie E.on Ruhrgas ein Quasi-Monopol. Mit anderen Strukturen bei der Netznutzung sollen neue Gasanbieter Zugang zum Markt erhalten. Verbraucherschützer sind wegen der Dominanz der großen Anbieter jedoch skeptisch, ob sich die Situation so schnell ändern wird wie die Bundesnetzagentur das plant. Die Kunden allerdings scheinen darauf sehnlichst zu warten: Einer kürzlich veröffentlichen Umfrage zufolge kann sich jeder zweite Deutsche vorstellen, den Gasanbieter zu wechseln.

ase/ap/dpa



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