Fluchtgefahr Infomatec-Chefs in Untersuchungshaft

Gerhard Harlos und Alexander Häfele, die Chefs des Softwareherstellers Infomatec, sitzen in Untersuchungshaft. Der Verdacht soll auf Kursbetrug, verbotene Insidergeschäfte und Verstoß gegen das Aktiengesetz lauten.


In Untersuchungshaft: Alexander Häfele und Gerhard Harlos
DPA

In Untersuchungshaft: Alexander Häfele und Gerhard Harlos

Augsburg - Gegen Harlos und Häfele wurde Haftbefehl erlassen, bestätigte die Staatsanwaltschaft Augsburg. Die zwei Vorstandschefs des schwer angeschlagenen Softwareunternehmens sitzen wegen Fluchtgefahr seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Am Neuen Markt verloren Infomatec am Freitag weitere fünf Prozent auf unter 2,40 Euro. Das Jahreshoch der Aktie lag bei 52 Euro.

Inzwischen sind Harlos und Häfele von ihren Ämtern als Vorstandsvorsitzender und stellvertretender Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Wie das Unternehmen am Donnerstagabend ad hoc mitteilte, hat der Aufsichtsrat den Rücktritt angenommen und wird über die Neubesetzung des Vorstandes in der nächsten Woche entscheiden. In der Zwischenzeit soll das Unternehmen von Finanzvorstand Karl Gruns geleitet werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Vorständen vor, drei unzutreffende Ad-Hoc-Meldungen verbreitet zu haben. Nach einem Kursanstieg in Folge einer der Meldungen hätten sie dann Aktien im Wert von rund 56 Millionen Mark verkauft. Außerdem sollen sie auf der Hauptversammlung 1999 so genannte Surfstations als eigene präsentiert haben, die in Wahrheit von einem anderen Hersteller stammten. Dabei hätten sie das Logo des Herstellers mit Infomatec-Aufklebern überklebt.

Vor rund vier Wochen waren die Firmenzentrale in Gersthofen bei Augsburg sowie andere Büros und Privatwohnungen in Hessen und Baden-Württemberg von Ermittlungsbeamten der Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Dabei wurden zahlreiche Unterlagen sichergestellt.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer anonymen Anzeige bereits seit dem vergangenen Jahr gegen die Verantwortlichen. Zuletzt hatten auch zwei Aktionärs-Schutzgemeinschaften Anzeige gegen das am Neuen Markt notierte Unternehmen erstattet.



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