Flüchtiger Farmer Ex-Südmilch-Chef Weber stellt sich der Staatsanwaltschaft

Zehn Jahre hatte Wolfgang Weber sich dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden entzogen. Jetzt stellte sich der mit internationalem Haftbefehl gesuchte frühere Chef des Molkereikonzerns Südmilch den deutschen Ermittlungsbehörden.


Nach zehn Jahren Farmleben wieder in Deutschland: Flüchtiger Ex-Südmilch-Chef Weber
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Nach zehn Jahren Farmleben wieder in Deutschland: Flüchtiger Ex-Südmilch-Chef Weber

Stuttgart - Weber erfüllte damit seinen Teil einer Vereinbarung zwischen der Staatsanwaltschaft und seinen Anwälten. Er habe sich seit Jahren darum bemüht, zu erfüllbaren Bedingungen nach Deutschland zurückzukehren, erklärte er am Dienstag. Dies sei nunmehr der Fall, nachdem mit einer Reihe von Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft frühere Vorwürfe wie Subventionsbetrug und Bilanzmanipulation vom Tisch seien. Er habe seinen paraguayischen Pass abgegeben und werde seinen Wohnsitz in Heilbronn anmelden.

Der 68-Jährige hatte sich im August 1993 auf seine Rinderfarm in Paraguay abgesetzt. Ein bereits im Mai 1994 gestellter Auslieferungsantrag blieb erfolglos, weil er neben der deutschen auch die paraguayische Staatsangehörigkeit besaß.

Nach Aussage der Staatsanwaltschaft steht Weber im Verdacht, mit einem Know-how-Verkauf versucht zu haben, die Südmilch AG zu Lasten der ostdeutschen Sachsenmilch AG zu sanieren. In diesem Zusammenhang soll er mit dem von der Südmilch betreuten Börsengang der Sachsenmilch durch falsche Angaben die Aktienkäufer sowie die Emissionsbank geschädigt haben. Neben gemeinschaftlichen Betrug wirft ihm die Staatsanwaltschaft auch Untreue zum Nachteil der Sachsenmilch AG vor.

Weber war von 1970 bis 1992 Vorstandsvorsitzender und danach bis Januar 1993 Aufsichtsratschef der Südmilch in Stuttgart. Die Südmilch war damals der größte deutsche Molkereibetrieb. 1993 wurde Südmilch von der niederländischen Campina übernommen. 1990 war unter Federführung der Südmilch die Sachsenmilch AG gegründet worden, deren Leitungsfunktionen weitgehend mit Personen aus dem Südmilch-Vorstand besetzt wurden. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeichneten sich bereits 1991 finanzielle Probleme bei der Umsetzung des Projekts ab.

Zur Schadenssumme erklärte die Staatsanwaltschaft, der Sachsenmilch seien acht Millionen Euro entzogen worden. Diese Summe falle unter den Vorwurf der Untreue. Zum Thema Betrug nannte die Staatsanwaltschaft einen Gefährdungsschaden in Höhe von 30,67 Millionen Euro, weil die Emissionsbank einen Großteil der ausgegebenen Aktien habe zurückzukaufen müssen.

Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart mitteilte, wurde der Haftbefehl gegen eine Sicherheitsleistung von 100.000 Euro außer Vollzug gesetzt.



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