Eröffnung des Hauptstadtflughafens Landung in der Brandenburger Tristesse

Eine große Party verbot sich, schon allein wegen Corona – so geriet die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens arg freudlos. Und die geladene Prominenz bemühte sich, die Pannengeschichte des Projekts zu ignorieren.
Airbus-Paar auf dem neuen Hauptstadtflughafen: Wenig Beifall

Airbus-Paar auf dem neuen Hauptstadtflughafen: Wenig Beifall

Foto: Michael Kappeler / dpa

Samstag, 31. Oktober, kurz nach 14 Uhr: Auf der Nordbahn des Flughafens Schönefeld landet ein Airbus 320 Neo der britischen Billigfluglinie EasyJet. Wie Dutzende Male zuvor auch schon. Dennoch war der Flug etwas Besonderes. Fast hätte man das Gefühl haben können, als handele es sich um die glückliche Rückkehr einer Marsmission auf die Erde

Denn zum ersten Mal dockte die Maschine nicht mehr am alten Flughafen Schönefeld an, sondern am Terminal 1 des Hauptstadtflughafens BER. An Bord EasyJet-CEO Johann Lundgren, in Empfang genommen von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, der sozusagen als Chef eines Festkomitees auftrat, das aus Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bestand. 

Fünf Minuten später landete die zweite Maschine, auch ein Airbus 320 Neo, nur von der Lufthansa und mit deren CEO Karsten Spohr an Bord. Die Maschine hatte eine etwas längere Flugstrecke hinter sich als der EasyJet-Airbus, der – aus Tegel kommend – nicht einmal annähernd seine normale Flughöhe erreicht hatte.

Spektakuläre Nähe in der Luft

Die Lufthansa-Maschine war pünktlich um 12:50 in München gestartet, an Bord eher Betriebsamkeit als Feierstimmung. Gut zehn Minuten vor der Landung kreuzte die EasyJet-Maschine die Flugroute in spektakulärer Nähe. Mehr Choreografie ließ die Deutsche Flugsicherung nicht zu. Niemand wollte riskieren, dass im verbleibenden zehnminütigen Flug durch dichte Wolken noch etwas passiert. So landeten die Maschinen nacheinander statt parallel auf den beiden Landebahnen.

Die Begrüßung der beiden Jets war verhalten. Einige Hundert BER-Mitarbeiter standen etwas verloren auf dem Rollfeld und hinter den Glasscheiben des Hauptpiers. Ein Feuerwehrauto verspritzte die in der Flugwelt übliche Begrüßungsfontäne. Keine Trompeten, kein Feuerwerk, keine Beifallsstürme.

Als alle Passagiere von Bord waren, stand Lütke Daldrup bereits am Mikrofon, quälte sich mit einer kurzen Eröffnungsrede. "Wir machen keine Party", sagte er, "wir machen einfach auf."

"Einfach aufmachen" ist in Pandemiezeiten, kurz vor Beginn des neuen Shutdowns, aber gar nicht so einfach. Im Abflugbereich des Hauptterminals verloren sich Journalisten aus dem In- und Ausland, Mitarbeiter des BER-Teams verteilten Gummibärchen und machten unter ihren Masken gute Miene angesichts all der Tristesse.

DER SPIEGEL

Auch hinter den Sicherheitskontrollen am Gate, wo die Ehrengäste im gebotenen Abstand von 1,5 Metern auf die Ankunft der beiden Jets warteten, ging es kaum geschäftiger zu. Und alle Redner waren bemüht, nicht mehr allzu sehr auf dem Murks der Vergangenheit herumzureiten oder gar das Milliardengrab BER zu thematisieren.

Lütke Daldrup und die Eigentümer des Hauptstadtflughafens wollen das Kürzel BER, das zum Synonym für Bau- und Planungspannen, Skandale und Finanzlöcher wurde, am liebsten vergessen machen. Sie sprechen vom Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt".

"Die Erfolgsgeschichte beginnt jetzt", sagte denn auch Brandenburgs Regierungschef Woidke. Und BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider rief dazu auf, die Kräfte zu bündeln. Spohr wiederum sprach von einem historischen Tag für die Lufthansa. Und Bundesverkehrsminister Scheuer sagte, mit dem BER müsse man jetzt einfach durchstarten, "in ein neues Wirtschaftswunder". 

Derweil veranstalteten als Pinguine verkleidete Demonstranten im Ankunftsbereich des Terminals ein kleines Sit-in – eine Gruppe überwiegend jugendlicher Klimaaktivistinnen schlug Trommeln und skandierte, die "coolsten Vögel bleiben am Boden".  Wenn es nach den Demonstrantinnen ginge, sollte der BER am besten gleich nach der Eröffnung wieder schließen. "Fliegen", sagen sie, sei schließlich "die klimaschädlichste und ungerechteste Transportform".

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