Flughafen Frankfurt Flugbegleiter drohen mit neuen Streiks

Der Arbeitskampf auf Deutschlands größtem Airport ist vorerst vorbei: Nach dreistündigem Warnstreik auf dem Frankfurter Flughafen haben die Flugbegleiter der Lufthansa ihre Arbeit wieder aufgenommen. Allerdings könnten schon nächste Woche weitere Ausstände folgen.


Frankfurt am Main - Wegen eines Warnstreiks der Lufthansa-Flugbegleiter sind am Freitag mindestens 40 Flüge der Lufthansa ausgefallen. Es habe sich um 20 Flugpaare von und nach Frankfurt in Deutschland und Europa gehandelt, sagte Unternehmenssprecher Thomas Jachnow am Morgen. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) sprach von etwa 60 Flügen.

Streikende Flugbegleiter: Ausstand vorerst beendet
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Streikende Flugbegleiter: Ausstand vorerst beendet

Laut Lufthansa seien die Einschränkungen vergleichbar mit einem Nebeltag gewesen, viele Fluggäste hätten sich schon vorher informiert. Dagegen sprach Ufo von einem "durchschlagenden Erfolg". "Damit ist der Mythos ausgeräumt, dass die Kabine nicht streiken kann", sagte Verhandlungsführer Joachim Müller. "Wir wollen so einen Nadelstich setzen."

Man erwarte nun von der Lufthansa ein Signal. Geschehe nichts, werde es weitere Arbeitskampfmaßnahmen geben. "Beschlossen ist aber noch nichts", sagte Müller SPIEGEL ONLINE. Wenn sich aber die Lufthansa nicht bewege, seien neue Streiks schon in der kommenden Woche nicht unrealistisch. Die Warnstreiks könnten dann länger sein und auch an anderen Flughäfen stattfinden.

Eine Lufthansa-Sprecherin forderte die Ufo-Delegation hingegen auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren und den Tarifstreit nicht auf dem Rücken der Kunden auszutragen. Diesen wurden alternative Flüge, Bahnverbindungen und Stornierungen angeboten.

Die Ufo fordert Gehaltserhöhungen im Gesamtvolumen von 15 Prozent. Die Lufthansa hat bislang 6,1 Prozent für zwölf Monate sowie eine Ergebnisbeteiligung für 2009 bis drei Prozent angeboten. Die Tarifverhandlungen von Lufthansa und Ufo waren am vergangenen Freitag ergebnislos abgebrochen worden.

Ufo hat in Kelsterbach ein Streiklokal eingerichtet, wo es während des Ausstands neben Schnittchen zum Frühstück auch einen Vortrag der Tarifkommission geben sollte. Nach Ufo-Angaben wurden die Streikenden mit Bussen wieder zum Frankfurter Flughafen gebracht, damit sie pünktlich um 9.15 Uhr die Arbeit wiederaufnehmen.

Für die Ufo, bei der nach eigenen Angaben mehr als 70 Prozent der insgesamt rund 16.000 Lufthansa-Flugbegleiter organisiert sind, ist es der erste Streik ihrer Geschichte. Lufthansa-Sprecher Jachnow sagte, der Konzern habe die Streikankündigung "mit Unverständnis zur Kenntnis genommen".

ssu/AP/dpa



insgesamt 163 Beiträge
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Trampeltier 23.01.2009
1. Es ist doch....
.. immer das gleiche. Alle wollen mehr. Angefangen beim kleinen Imbissbudenbesitzer, bis hin zum Manager, die nicht nur vom Hause aus ihr Geld verdienen, sondern es noch schaffen Millionen am Fiskus vorbei zu "erwirtschaften". Die Geldgier ist doch allgegenwärtig. Aber kann man es den Leuten verübeln? Die Großen machen es uns doch immer wieder vor, wie leicht es ist. Warum sollten Politiker dagegen stimmen, wenn es um ihr eigenes Geld geht? Rein wirtschaftlich gesehen, machen Lohnerhöhungen sowieso Sinn, die Ausgaben steigen, wenn man Glück hat nur jährlich, gern aber auch mehrmals im Jahr. Und der unbescholtene Bürger macht das Portemonnaie auf. Was bleibt auch anderes übrig. Immerhin ist das einzige, was wirklich geteilt wurde seit Einführung des Euro, das Gehalt. Da gab es mal 1,5% mehr in bestimmten Branchen, das ist natürlich ordentlich. Ich weiß nicht, was man als Flugbegleiter/in verdient, es wird nicht das beste Gehalt sein, aber mit Sicherheit auch nicht das schlechteste. Gibt es noch Bonusmeilen und damit quasi jährlich den Flug in den Urlaub geschenkt? Sicher, heute in Frankfurt, morgen in Bangkok und übermorgen in Bad-Salzuflen ist ein anstrengender Job, nichts desto trotz haben sich die Leute ihre Arbeit ausgesucht und es sollte jedem klar sein, dass es nichts für die Ewigkeit ist. Ob eine Forderung auf Lohnerhöhung gerechtfertigt ist, kann ich als außenstehender nicht sagen, wenn man es durch einen Streik durchsetzen muss, nun denn, so sei es. Der Leidtragende ist nur, wie immer, jemand, der nichts daran ändern kann, was die Leute verdienen. Wobei die Anfangsforderungen meist utopisch sind. Wir sitzen nicht im Bahnvorstand und genehmigen uns 20% mehr, trotz steigender Kosten! Das Wäre ja albern. Wenn man nun mit einer Forderung von 900% mehr Lohn antreten würde und sich dann auf 80% einigen, wäre man von seiner Forderung um 820% abgewichen, so viel ist noch niemand den Firmen entgegengekommen, einen Versuch ist es also Wert! Ach, ein leidiges Thema, das ewig so weiterdiskutiert wird, bis wir wieder Steine gegen Muscheln tauschen und das alles von neuem Beginnt. Der Trampel, das Tier.
porticus 23.01.2009
2.
Ob die Forderungen der UFO berechtigt sind, möge bitte derjenige beurteilen, der die Hintergründe dieses Tarifkonflikts kennt. Hier handelt es sich um eine jahrelange Auseinandersetzung, die in dem heutigen Warnstreik ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Die Forderung der UFO von 15% umfaßt ja ein ganzes Paket. Dieses setzt sich zusammen aus einer spürbaren Gehaltserhöhung, spürbarer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und vor allem der Rückgabe eines Paketes von Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten, das 2005 vereinbart und bis 31.12.2007 befristet war und bis heute nicht von der Lufthansa zurückgegeben wurde. (das Paket beinhaltet den Verzicht auf 2 Urlaubstage, Erhöhung der möglichen Flugstunden im Monat, Verzicht auf Belastungsausgleich für Langstrecken). Die Lufthansa erzielte 2007 einen operativen Gewinn von ca. 1,3 Mrd. € und 2008 von ca. 1,1 Mrd. €. Für 2009 ist abermals ein Ergebnis von ca. 1,1 Mrd € in Aussicht gestellt.
capu65, 23.01.2009
3.
Zitat von sysopArbeitskampf auf Deutschlands größtem Airport: Die Flugbegleiter der Lufthansa haben auf dem Frankfurter Flughafen einen dreistündigen Warnstreik begonnen, um ihren Lohnforderungen Nachdruck zu verleihen. Berechtige Forderungen der Angestellten?
Unsere Regierung schaffte gestern Erleichterungen zur Mitarbeiterbeteiligung an Unternehmen. Das hier sind die Dinge die der kleine Bürger braucht. Einen Anteil an den exorbitanten Gewinnen dieser Unternehmen. Zitat SPON: Lufthansa-Sprecher Jachnow sagte, der Konzern habe die Streikankündigung "mit Unverständnis zur Kenntnis genommen". (Zitat Ende) Wahrscheinlich würden viele Bundesbürger mit viel Unverständnis beim Anblick des Lohnzettels dieses Herrn reagieren.
optionpoint 23.01.2009
4. Allerhöchste Zeit
Eine Gewerkschaft, die erst nach rund 16 Jahren Bestand das erste Mal zum Streik aufruft hat Einiges bei ihren Mitgliedern gutzumachen. Über Jahre war ihr Vorsitzender durch eigene Karriereambitionen quaisi 'gekauft' - und die Interessen der zugegeben meist recht unpolitischen FlugbegleiterInnen damit völlig verraten. Auf regelmässigen Pflichtveranstaltungen werden werden die FlugbegleiterInnen firmenseitig mit weichgespülten Informationen versorgt, es werden immer wieder Hochglanzschriften aufgelegt, 'Betriebszeitungen' in die persönlichen Postfächer verteilt, damit die Stimmung pro 'Regierung' bleibt und die Haltung devot, auf lufthaseatisch serviceminded: Wir dienen gerne - so lautete zum Beispiel tatsächlich einmal ein gross beworbener Brainwashslogan, der Verständnis für die noch so absurden Forderungen mancher Passagiere an Bord schaffen sollte. Lufthansa verhält sich ihren Angestellten gegenüber im Grunde im Stile einer gepflegten Scheindemokratie und nutzt dabei alle für eine Firma legalen, deswegen noch lange nicht legitimen Register. Warten Sie auf die Abendnachrichten! Der Pressesprecher wird aalglatt auf hochlufthanseatisch sein statement geben, das die Frima ins beste, fürsorglichste Licht zu stellen versucht. Für alle internen Kenner des Betriebes ein Brechreizauslöser allererster Güte. Die 15% mögen hoch klingen, aber zurückgerechnent auf die versäumten guten Abschlüsse davor sind sie mehr als angemessen.
nullachtfuffzehn 23.01.2009
5.
ich kann die darstellungen von "optionpoint" zu 100% bestätigen. so sieht´s seit jahren bei uns aus! fette gewinne seit jahren und pünktlich zu jedem tarifabschluss wird seitens der GL schwarzgemalt, damit das fussvolk sich mit weiteren sparmassnahmen auf "betrieblicher ebene" zurechtfindet.
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