Flugschau ILA Verkehrsclub kritisiert Hype um Luftfahrt

Mit großem Rummel und einer A380-Show ist die Luftfahrtschau ILA eröffnet worden - ihre Macher rechnen mit einem Besucherrekord. Der Verkehrsclub kritisiert, die Branche sei nicht der Jobmotor, als der sie sich darstelle. Airbus kündigt an, bald über eine Neuauflage des A350 zu entscheiden.


Berlin - Anlässlich der Eröffnung der ILA hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Arbeitsplatzbilanz der Luftfahrtbranche als unzureichend bezeichnet. Während jede neue Stelle rund um die Flughäfen gefeiert werde, würden Jobs, die dafür anderswo wegfielen, nicht mitgezählt, bemängelte Verbandschef Michael Gehrmann in Berlin. Dabei würden häufig Betriebe aus umliegenden Regionen samt ihrer Arbeitsplätze wegen der guten Infrastruktur in die Nähe von Flughäfen umsiedeln. Damit alleine werde jedoch keine einzige neue Stelle geschaffen. Deswegen sei der Flugverkehr alles andere als ein Jobmotor. Der VCD kritisierte zudem die hohen Subventionen der Branche.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die Branche zu Beginn der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung hingegen als Wachstumsmotor gewürdigt. Der Industriezweig schaffe viele neue Arbeitsplätze, sagte Glos während seines Eröffnungsrundganges am Flughafen Schönefeld.

Die bis Sonntag dauernde Schau gilt als einer der wichtigsten Branchentreffs und ist ab Freitag für das breite Publikum geöffnet. Mit über tausend Ausstellern aus 42 Ländern auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Schönefeld steuert die Messe auf einen neuen Rekord zu. Für die diesjährige ILA ist unter anderem die offizielle Deutschland-Premiere des Super-Airbus A380 vorgesehen. Die Veranstalter hoffen auf die Rekordmarke von 230.000 Gästen.

Glos sagte nach einer Besichtigung des A380-Cockpits, das zweistöckige Flugzeug mit einer Kapazität für bis zu 850 Passagiere zeige die Leistungsfähigkeit der europäischen Luftfahrtindustrie. "Als Deutscher ist man natürlich darauf stolz, dass das größte Verkehrsflugzeug der Welt in Deutschland zumindest zum Teil gebaut und zusammen montiert wird", sagte der CSU-Mann.

Airbus selbst ist derzeit damit beschäftigt, auf die Kritik wichtiger Kunden am geplanten neuen Modell A350 zu reagieren. "Wir sind gerade dabei, endgültige Entscheidungen zu treffen", sagte der EADS-Co-Vorstandsvorsitzende Noël Forgeard auf der ILA. Bis zur nächsten Luftfahrtschau im englischen Farnborough am 17. Juli soll laut Forgeard beschlossen sein, ob das A350-Programm grundlegend umgestellt wird.

Einige Airlines hatten bemängelt, dass der A350, ein mittelgroßes Flugzeug für die Langstrecke, nicht wettbewerbsfähig genug sei – und hatten von Airbus Änderungen gefordert.  Der Flugzeugbauer hatte daraufhin zugesagt, mit seinen Kunden über die Kritik zu sprechen. Das ist auch schon gesehen, doch bisher hat das Unternehmen noch nicht über Änderungen entschieden. "Da müssen Sie sich noch etwas gedulden", sagte Forgeard.

Mittel für Neuauflage reichen laut EADS aus

Ausreichende Mittel für Nachbesserungen beim A350 seien vorhanden, versicherte der EADS-Co-Chef. In der vergangenen Woche hatte die Nachrichtenagentur "Bloomberg" drei Airbus-Insider zitiert, nach denen die Kosten für die Neuauflage angeblich fast acht Milliarden Euro betragen - in etwa das Doppelte der Entwicklungskosten des bisherigen A350, der noch nicht auf dem Markt ist.

Ob es wirklich zu einer Neuauflage kommt, entscheidet sich laut früheren Angaben des Konzerns an der Frage, wie viele Kunden davon profitieren werden. Mit dem neuen Modell will Airbus der 787 des US-Erzrivalen Boeing Konkurrenz machen, die auch unter dem Namen "Dreamliner" bekannt ist.

Neben dem A350 will EADS nun auch das Design des A340 überprüfen, der bereits auf dem Markt ist. Es gebe einen Zusammenhang mit entsprechenden Überlegungen beim A350, räumte der EADS-Co-Chef Tom Enders ein. Beide Flugzeuge gehörten ins gleiche Marktsegment.

Insgesamt werden auf der ILA mehr als 300 Fluggeräte gezeigt, darunter erstmals eine neue Variante der Transportmaschine IL-76TD des russischen Herstellers Iljuschin, der EADS-Militärjet Eurofighter oder der erste Düsenjäger der Welt mit Schubvektorsteuerung für hohe Manövrierfähigkeit, die russische MIG-29 OVT. Auch die Raumfahrtbranche präsentiert Neuentwicklungen, unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Wirtschaftsminister nennt Branche "Wachstumsmotor"

Russland ist das Partnerland der diesjährigen Schau, das mit 68 Ausstellern beteiligt ist. Darunter sind die führenden russischen Flugzeughersteller MIG und Irkut, die am Dienstag mit Airbus ein gemeinsames Frachtflugzeugprojekt vereinbarten.

In Anwesenheit von Wirtschaftsminister Glos schlossen Airbus und MIG einen Vorvertrag über den Umbau von Airbus-Passagierflugzeugen zu Frachtmaschinen. Ab 2011 sollen dem nicht rechtsverbindlichen Letter of Intent zufolge zehn Jahre lang zunächst Maschinen vom Typ A320 und A321 in Russland umgerüstet werden. Dazu will Airbus russischen Unternehmen Aufträge im Volumen von 900 Millionen US-Dollar erteilen.

ank/AP/Dow Jones/Reuters/ddp/dpa



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