Flugschau in Paris Pentagon organisierte offenbar US-Boykott

Die Veranstalter des 45. Luft- und Raumfahrtsalon von Le Bourget bekommen die Folgen des Zerwürfnisses zwischen den USA und Frankreich über den Irak-Krieg zu spüren. Das Pentagon hat offenbar dafür gesorgt, dass Chefs der US-Luftfahrtindustrie und hohe Militärs ihre Teilnahme absagten.


Erfolgreicher Boykott: Der unbemannte "Hawk" ist eines der wenigen US-Flugzeuge auf der Flugschau in Paris
AP

Erfolgreicher Boykott: Der unbemannte "Hawk" ist eines der wenigen US-Flugzeuge auf der Flugschau in Paris

Paris - Nach einem Bericht der "Financial Times" soll das US-Verteidigungsministerium bereits seit Monaten hinter den Kulissen gegen die Flugschau agitiert haben. Mit durchschlagendem Erfolg: Als letzter hoher Repräsentant von Seiten der Industrie ließ sich Vance Coffman, Chef des weltgrößten Rüstungskonzerns Lockheed Martin, entschuldigen.

Mehr noch: Viele US-Flugzeugbauer schickten noch nicht einmal Ausstellungsstücke nach Paris. Insgesamt sind nach Auskunft des Generalkommissars von Le Bourget, Yves Bonnet, gegenüber 2001 20 Prozent weniger US-Hersteller nach Le Bourget gekommen.

Auch im eigenen Hause blieben die Pentagon-Strategen nicht untätig. Lediglich ein paar Offiziere bis zum Rang eines Colonels bekamen die Reisegenehmigung. Auch an den traditionellen Flugdemonstrationen nehmen keine US-Maschinen teil.

Trotzdem verbreitet Bonnet Zuversicht: "Es werden genügend Militärmaschinen fliegen, ein schönes Schauspiel ist also garantiert", versicherte er vor der Eröffnung.

Wenigstens sorgen asiatische und osteuropäische Ausstellern dafür, dass die Lücke, die die Amerikaner hinterlassen, nicht zu groß ausfällt. Bis zum 22. Juni zeigen 1700 Aussteller aus 38 Ländern Zivilflugzeuge, Militärjets, Hubschrauber, Raumfahrttechnik und Zubehör. 201 Luftfahrzeuge werden präsentiert, das sind 25 weniger als bei der vorangegangenen Messe.

Airbus zeigt seine neuesten Modelle A340-600 und A318. Der Stand des A380-Programms steht im Mittelpunkt der Messepräsentation. In knapp zwei Jahren soll der Gigant mit 555 Sitzplätzen zu seinem Erstflug starten. Boeing führt die neue 777-300ER und seinen Business Jet vor.

Die Messe bei Paris zählt mit der Schau im britischen Farnborough und der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin zu den führenden Branchentreffs. Vor zwei Jahren meldeten die Hersteller in Le Bourget noch Aufträge von 65 Milliarden Euro. 330.000 Gäste kamen auf das Messegelände.



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