Flugzeugbau Airbus will Ideenklau durch Chinesen verhindern

Bei seiner geplanten Flugzeug-Fertigung in China will der Flugzeugbauer Airbus die Kontrolle über seine Technologie nicht aus der Hand geben. Dass die Chinesen die Technologie kopieren und die Maschinen dann alleine bauen, will das Unternehmen gezielt verhindern.


Hamburg/Paris - Falls im nächsten Jahr die Entscheidung für eine Endmontage in China falle, "wird Airbus auf jeden Fall die Mehrheit an der Gesellschaft halten", sagte der Co-Chef der Airbus-Mutter EADS, Thomas Enders, der "Financial Times Deutschland". Airbus und EADS würden mit geeigneten Maßnahmen verhindern, dass es zum unkontrollierten Technologietransfer kommt: "Wir gehen nicht naiv oder unerfahren zur Sache", sagte Enders.

Airbus goes China: "Wir gehen nicht naiv zur Sache"

Airbus goes China: "Wir gehen nicht naiv zur Sache"

Mit seinen Äußerungen trat er Befürchtungen entgegen, Airbus würde es mit einer Fertigung in China den dortigen Partnern ermöglichen, Technologie zu übernehmen, um mittelfristig die Flugzeuge ohne Airbus zu produzieren. EADS hatte am Montag den Verkauf von 150 Flugzeugen der Typen Airbus A319, A320 und A321 an China bekannt gegeben. Gleichzeitig hatte der Konzern erklärt, bis Mitte 2006 den Bau eines Montagewerks für diese Flugzeugtypen in China zu prüfen. Wirtschaftsexperten hatten davor gewarnt, China könnte bei dem Deal einen Technologievorsprung erhalten.

Dass Airbus Flugzeuge weiterhin ausschließlich in Europa fertigt und dann weltweit ausliefert, sei nicht mehr länger möglich, sagte Enders im Hinblick auf die Kritik. China sei sich seines Wertes als großer Markt bewusst, "deswegen ändert sich das Spiel". Enders verteidigte die Pläne auch damit, dass seiner Ansicht nach Airbus nicht auf die Riesenaufträge aus China verzichten sollte, weil damit Beschäftigung und Wertschöpfung in Europa durch die Zulieferungen gesichert würden. Die Endmontagekapazitäten der A320-Familie seien ohnehin ausgelastet. "Es ist eine Markterschließungsstrategie, um mit China eine langfristige Partnerschaft und keine Gegnerschaft aufzubauen."

Nach seiner Ansicht hat China langfristig das Potential, das Duopol aus Airbus und Boeing aufzubrechen. "Es ist nicht auszuschließen, dass wir einmal wieder mehr als zwei Anbieter haben." Würden Airbus und Boeing den chinesischen Markt nicht ausreichend beliefern, könnten sich Russland oder andere Luftfahrtnationen wie Brasilien mit China im Flugzeugbau verbünden.



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