Flugzeugbauer Warum Airbus in der Krise steckt

Bei der Luftfahrtschau in Le Bourget wollte Airbus in diesem Jahr einmal mehr über den US-Erzrivalen Boeing triumphieren. Doch die Aussichten dafür sind düster. Der europäische Marktführer kämpft mit zahlreichen Krisen. SPIEGEL ONLINE zeigt, was bei Airbus schief läuft.

Von


Das Führungsproblem - deutsch-französische Feindschaft

Luftfahrtschau in Le Bourget: Vergebliche Suche nach der EADS-Spitze
DPA

Luftfahrtschau in Le Bourget: Vergebliche Suche nach der EADS-Spitze

Hamburg - Die Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris gilt als Branchengipfel. Hier trifft sich, was im Flugzeuggeschäft Rang und Namen hat. Oder auch nicht. Die neuen Chefs des Airbus-Mutterkonzerns EADS Chart zeigen wird man in diesem Jahr vergeblich suchen.

Dabei sollte die Doppelspitze aus dem Franzosen Noël Forgeard und dem Deutschen Thomas Enders eigentlich schon Morgen die Militärstrategie des Unternehmens erläutern. Die Pressekonferenz sagte das Unternehmen jedoch überraschend ersatzlos ab. Die Top-Manager haben ihr Amt noch nicht angetreten und werden stattdessen durch Aufsichtsräte vertreten.

Das PR-Desaster gilt als weiterer Hinweis auf die Führungskrise bei EADS. Bislang teilen sich die deutschen und französischen Großaktionäre - DaimlerChrysler (30,2 Prozent), der Pariser Medienkonzern Lagardère und der französische Staat (zusammen 30,2 Prozent) - nach einem fein ausgearbeiteten System die zentralen Positionen im Unternehmen.

Doch das filigrane Gleichgewicht ist seit einem halben Jahr gestört. Auslöser war der Versuch von Airbus-Chef Forgeard, die Doppelspitze abzuschaffen und die Konzernführung alleine zu übernehmen.

Im Mai kam es wegen Forgeards Machtstreben im Verwaltungsrat des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns zum Eklat. Der Noch-Airbus-Chef weigerte sich, seinen Topjob aufzugeben, sobald er an die Spitze der Konzernmutter rückt. DaimlerChrysler Chart zeigen will hingegen den deutschen Airbus-Vize Gustav Humbert zum Chef des Flugzeugbauers bestimmen. Die Beteiligten verschoben die Entscheidung auf die Zeit nach dem Referendum der Franzosen zur EU-Verfassung.

Airbus-Chef Forgeard: Angriff auf die Doppelspitze
DPA

Airbus-Chef Forgeard: Angriff auf die Doppelspitze

Doch nach dem Votum forderten die Franzosen plötzlich, zwischen den beiden Unternehmen eine zusätzliche Leitungsebene einzuziehen, um die Position ihres Landsmanns Forgeard zu stärken. Er soll künftig auch den Hubschrauberproduzenten Eurocopter kontrollieren, obwohl dies eigentlich die Aufgabe von Enders wäre. Prompt blockierte DaimlerChrysler den Wachwechsel erneut. Bis zum heutigen Tage blieb die Pattsituation ungelöst.

Größter Profiteuer von dem peinlichen Hickhack ist einmal mehr BoeingChart zeigen. Vor allem, weil die Amerikaner so die eigene Führungsschwäche bequem herabspielen können. Anfang März stolperte Boeing-Chef Harry Stonecipher über eine Liebesaffäre und musste gehen. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Aber darüber dürfte in Le Bourget heute niemand reden.

Das A350-Problem - die 787-Antwort in der Warteschleife

Das WTO-Problem - Handelsstreit zur Unzeit

Das A380-Problem - wer zu spät kommt...

Das Dollar-Problem - teure Turbulenzen am Währungsmarkt



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.