Förderausfall in Alaska BP-Probleme treiben Ölpreis auf Rekordhoch

Wenn etwas schiefgehen kann, geht es schief - diese Weisheit gilt derzeit auch für die Weltölmärkte. Der Libanon-Krieg sorgt bereits für große Nervosität, nun muss BP auch noch das größte Ölfeld der USA stilllegen. Der Barrel-Preis erreicht neue Rekorde.


London - Ein Barrel der europäischen Leitsorte Brent verteuerte sich bis zum Abend um mehr als 2,40 Dollar auf ein Allzeithoch von 78,64 Dollar - danach gab der Preis aber wieder etwas nach. Auch US-Leichtöl legte um mehr als zwei Dollar auf 77,10 Dollar zu. Brent ist damit teurer als US-Öl, da Anleger fürchten, die USA könnten ihre Ausfälle durch Käufe in Europa decken.

Kontrolle an bruchgefährdeter Alaska-Pipeline: Reparatur kann Monate dauern
AP

Kontrolle an bruchgefährdeter Alaska-Pipeline: Reparatur kann Monate dauern

Anlass für den Preissprung sind Probleme auf dem Ölfeld Prudhoe Bay in Alaska. BP wird dort nach der Entdeckung eines Lecks in einer Pipeline die Förderung vorübergehend einstellen. In Prudhoe Bay werden acht Prozent des Öls für den US-Markt gefördert - rund 400.000 Barrel (159 Liter) am Tag. Auch Conoco und Exxon sind an dem Feld beteiligt, die operative Führung obliegt aber BP.

Nach Ansicht von Experten wird es Monate dauern, bis die Leitung wieder repariert ist. "Das ist eine Riesenaufgabe", sagte Jane Haswell, Beraterin einer britischen Pipeline-Firma. Die Ursachen des Lecks sind noch unklar. BP kündigte am Abend an, die Produktion schnell wieder aufzunehmen, wenn dies ohne Sicherheitsbedenken möglich sei. Man könne sich aber auf keinen Termin festlegen.

Das US-Energieministerium will - wie nach dem Hurrikan Katrina - darüber nachdenken, den Raffinerien einen Teil der nationalen Notreserven zur Verfügung zu stellen. Die Internationale Energieagentur (IEA) schloss einen analogen Schritt laut Nachrichtenagentur Reuters aber vorerst aus. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zeigte sich in einer Erklärung besorgt über die Schließung in Alaska. Die freie Produktionskapazität sei aber mehr als ausreichend, um den Ausfall auszugleichen. Das Kartell wolle in jedem Fall verhindern, dass es Versorgungsengpässe gibt.

Der Ölpreis ist dieses Jahr bislang um ein Viertel gestiegen. Grund dafür waren neben der Krise im Nahen Osten auch die Rebellen in Nigeria, die ein Viertel der dortigen Förderung lahm gelegt haben.

Die Nachricht von der Schließung des Ölfelds belastete auch die Aktienmärkte weltweit. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor bis zum Mittag New Yorker Zeit 0,07 Prozent auf 11.232 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 0,14 Prozent auf 1277 Zähler nach. Der Nasdaq-Composite sank um 0,46 Prozent auf 2075 Punkte. BP-Aktien verloren im Londoner Handel gut zwei Prozent.

itz/Reuters



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