Förderkredite Stahlbranche wirft Banken Blockadehaltung vor

Das Sonderprogramm aus dem Konjunkturpaket I läuft nur schleppend an. Die Ursache dafür sehen die mittelständischen Unternehmen bei den Banken, die den die Zugang zu den Fördertöpfen der KfW versperrten.


Frankfurt am Main/Düsseldorf - Die Repräsentanten der Stahlbranche machten am Montag ihrem Ärger Luft: Die "Die Bonitätsprüfungen der Banken sind zu streng", sagte der Präsident des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) Ulrich Galladé in Düsseldorf. Trotz einer hohen Haftungsfreistellung der staatlichen KfW für die durchleitenden Banken scheuten diese das Risiko. "Leider auch bei Unternehmen mit guten Marktchancen." Viele Mittelständler kämpften derzeit vergeblich darum, Zugang zu Krediten aus dem KfW-Sonderprogramm zu erhalten.

Stahlbau: Banken betrachten KfW-Kredite als Konkurrenz
DPA

Stahlbau: Banken betrachten KfW-Kredite als Konkurrenz

Bisher seien für das Sonderprogramm gerade einmal Anträge für 900 Millionen der verfügbaren 15 Milliarden Euro aus dem Konjunkturpaket I eingegangen, monierte der WSM: "Während Großunternehmen aktuell der KfW die Türen einrennen, hält sich der Mittelstand zurück." Die Staatsbank bezifferte das beantragte Fördervolumen am Montag nach neuesten Berechnungen auf 1,3 Milliarden Euro. Davon entfalle allerdings ein kleiner Teil auf Großunternehmen, die im Rahmen des Konjunkturpakets II erst seit Montag vergangener Woche Mittel beantragen können, meldete die KfW. Dazu stellt das Institut Kredite mit einem Volumen von weiteren 25 Milliarden Euro bereit.

Kein objektiver Grund

"Ziel des Kreditprogramms ist, gesunde Unternehmen, die in Folge der Finanzkrise in Finanzierungsengpässe gekommen sind, langfristige Mittel für Investitionen und Betriebsmittel zur Verfügung zu stellen", sagte Peter Sickenberger von der KfW. Bei Großunternehmen könne dies auch für "den allgemeinen Finanzierungsbedarf" geschehen.

Allerdings dürfen die großen Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz in der Regel keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben, wenn sie die Förderung bekommen wollen.

Ein Sprecher der KfW sagte am Montag in Frankfurt, es gebe keinen objektiven Grund für Banken, ihren Kunden den Zugang zu den Krediten zu blockieren. "Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, kann aber im Einzelfall Bonitätsgründe haben." Der WSM schließt hingegen nicht aus, dass die KfW-Mittel von den Banken als Konkurrenz betrachtet würden. Galladé äußerte den Verdacht, dass Banken lieber eigene Mittel mit einer entsprechend lukrativen Marge verleihen würden als KfW-Gelder zu vermitteln. Durch die staatliche Stützung der Finanzmärkte seien die Banken allerdings in der Pflicht, auf die Unternehmen zuzugehen. Raum für Margendiskussionen dürfe es nicht geben.

Zwar ist das Hausbankprinzip der KfW aus Sicht des WSM grundsätzlich richtig. In diesem Fall gefährde es jedoch die Versorgung des industriellen Mittelstands mit Krediten. Galladé rief die Politik deshalb auf, schnell dafür zu sorgen, dass die zur Verfügung stehenden Mittel auch tatsächlich in ausreichendem Maß bei den Unternehmen des industriellen Mittelstands ankommen: "Das ist gerade für strukturell gut aufgestellte Firmen überlebenswichtig."

In dem KfW-Sonderprogramm werden Kredite zu Marktkonditionen an mittelständische Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten vergeben. Durch die Haftungsfreistellung reduziert die KfW das Risiko der durchleitenden Banken um die Bereitschaft zu erhöhen, Kredite zu vergeben.

mik/dpa/AP



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