Folgen des Abschwungs Uno meldet milliardenschwere Finanzierungslücke

Die Wirtschaftskrise hinterlässt deutliche Spuren in den Kassen der Uno - der Weltorganisation fehlen im laufenden Jahr fast fünf Milliarden Dollar an Hilfsgeldern. Die Geberländer knausern bei den Zahlungen - und der Geldbedarf Pakistans hat sich verzehnfacht.


Genf/Hamburg - Im Budget der Vereinten Nationen klafft eine bedenkliche Lücke: Die internationalen Hilfsprogramme der Uno sind in diesem Jahr mit 4,8 Milliarden Dollar unterfinanziert. Das teilte die Organisation am Dienstag in Genf mit.

Uno-Hauptquartier in New York: Hohe Ausfälle bei Hilfszahlungen
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Uno-Hauptquartier in New York: Hohe Ausfälle bei Hilfszahlungen

Laut Uno-Nothilfekoordinator John Holmes fällt die Finanzierungslücke damit zur Jahresmitte so hoch aus wie nie zuvor. Die Organisation habe bislang weniger als die Hälfte der Gelder erhalten, die 2009 für humanitäre Hilfe eingesetzt werden sollen. Insgesamt plane die Organisation Aufwendungen in Höhe von 9,5 Milliarden Dollar.

Holmes begründete die Finanzierungslücke mit gedrosselten Zahlungen zahlreicher Geberländer, die wiederum auf die weltweite Finanzkrise zurückzuführen sei. Zugleich habe sich der Geldbedarf für Pakistan im ersten Halbjahr dramatisch erhöht. Dort hätten sich die als notwendig erachteten Ausgaben mit 391 Millionen Dollar verzehnfacht, nachdem zwei Millionen Menschen nach einer Armeeoffensive fliehen mussten. Der Mangel an Hilfsgeldern betrage derzeit 312 Millionen Dollar.

Auch in anderen Ländern mit hohem Finanzierungsbedarf komme es nach derzeitiger Lage zu Mittelausfällen. Besonders bedürftig sind nach Uno-Angaben:

  • Sudan (916 Millionen Finanzbedarf insgesamt)
  • Kongo (505 Millionen)
  • Simbabwe (458 Millionen)
  • Somalia (428 Million)

Wie hoch die Finanzierungslücken in diesen Ländern aktuell jeweils sind, gab die Uno nicht an. Aber auch in Kenia sei der Mangel an Hilfsgeldern auf 187 Millionen Dollar gestiegen, sagte Holmes weiter. Dies liege vor allem daran, dass im ersten Halbjahr die Zahl der Flüchtlinge aus dem kriegsumkämpften Nachbarland Somalia dramatisch zugenommen habe. Mindestens genauso verherrend sei die Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten. Seit dem Gaza-Krieg Anfang des Jahres hätten sich hier die fehlenden Hilfsmittel auf mittlerweile 341 Millionen Dollar erhöht, erklärte Holmes. In Sri Lanka sei nach dem Ende des jahrzehntelangen Bürgerkriegs der Finanzbedarf auf 114 Millionen Dollar gestiegen.

Der Uno-Mann warnte vor verheerenden Folgen. "Natürlich setzt die globale Rezession die Staaten unter Druck", sagte er. Der Druck, der sich durch den Mittelmangel nun in den Ländern aufbaue, die auf Hilfszahlungen angewiesen seien, "ist aber ungleich höher".

ssu/suc/yes/Reuters



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