Folgen des Energiepreisschocks "Ich dusche seltener"

Studenten, Hartz-IV-Empfänger und alleinerziehende Mütter sind von den explodierenden Energiepreisen besonders hart getroffen - und trotzen ihnen mit teils unkonventionellen Methoden. SPIEGEL ONLINE stellt sechs Menschen vor, die zum drastischen Energiesparen gezwungen sind.

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Hamburg - Irgendwann wurde die tägliche Dusche für Martin Behrsing zum unerschwinglichen Luxus. Seitdem leistet sich der Hartz-IV-Empfänger nur noch jeden zweiten Tag eine warme Brause. Nicole Petersen, 31, heizt nur noch das Zimmer ihrer neunjährigen Tochter - aus Angst vor der nächsten Heizkostenabrechnung. Die alleinerziehende Mutter verdient weniger als 13.000 Euro im Jahr.

Studenten, Rentner, Hartz-IV-Empfänger, alleinerziehende Mütter: Menschen, die am Existenzminimum leben, werden von den steigenden Energiepreise besonders hart getroffen. Je geringer das Einkommen, desto größer ist die Belastung durch Strom- und Heizkosten - denn die fressen einen immer größeren Teil des Nettoeinkommens auf.

SPIEGEL ONLINE hat mit sechs Menschen gesprochen, die aus Kostengründen Energie sparen - Sie verraten, mit welchen Methoden sie der Krise trotzen:



Nach einer Musterrechnung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung verwendete eine alleinstehende Person mit einem jährlichen verfügbaren Einkommen von knapp 12.000 Euro im Dezember 2007 gut zehn Prozent ihres Einkommens für Energie. Damals stand der Rohölpreis bei 91 Dollar pro Fass.

Ein halbes Jahr später - im Juni 2008 - sah das anders aus: Der Ölpreis stieg auf 132 Dollar, ein Single musste etwa 12,5 Prozent für Energie berappen. Sollte der Ölpreis in Zukunft auf 200 Dollar steigen, gingen sogar 16,6 Prozent des Einkommens für Energie drauf.

Bei anderen Familienverhältnissen schlägt die Preissteigerung noch wesentlich stärker zur Buche: Die alleinerziehende Nicole Petersen verwendet nach eigenen Angaben inzwischen über die Hälfte ihres Nettoeinkommens für Miete und Nebenkosten.

Das Dilemma: Geringverdiener haben kaum die Möglichkeit, auf andere Dinge zu verzichten, um die Energiekosten zu decken. Sie verzichten ohnehin schon auf teure Freizeitbeschäftigungen, wie Kino, Konzerte oder neue Kleidungsstücke.

Nun müssen sie an der Energie selbst sparen, weniger heizen, kürzer duschen, Fahrrad fahren, statt das Auto zu benutzen. Und selbst zum Energiesparen braucht man ein gewisses Budget. Ein Geringverdiener kann sich zum Beispiel keine Hausisolierung oder stromsparende Haushaltsgeräte leisten.



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