Attentat in Liechtenstein Bankenchef in Tiefgarage erschossen

Ein Liechtensteiner Bankchef ist auf dem Weg zur Arbeit erschossen worden. Dringend tatverdächtig ist ein Fondsmanager, der in Liechtenstein seit längerer Zeit für Aufruhr sorgt.

DPA

Hamburg - Er war gerade erst an seinem Arbeitsplatz in Balzers angekommen, da fielen drei Schüsse: In der Tiefgarage des Liechtensteiner Bankhauses Frick ist der Generaldirektor des Instituts, Jürgen Frick, erschossen worden. Der 48-Jährige ist auch der Bruder des ehemaligen Liechtensteiner Regierungschefs Mario Frick.

Eine Überwachungskamera zeichnete die Tat auf, wie eine Polizeisprecherin SPIEGEL ONLINE bestätigte. Auf den Bildern soll Jürgen H. zu sehen sein. Der Fondsmanager gilt daher als dringend tatverdächtig, es wird öffentlich nach ihm gefahndet. H. sei bewaffnet und gefährlich, heißt es in einer Mitteilung.

Sein mutmaßliches Fluchtauto entdeckte die Polizei kurze Zeit nach der Tat etwa 25 Kilometer vom Tatort entfernt in der Nähe des Rheindamms. Inzwischen verdichten sich Hinweise, dass sich der Gesuchte in den Rhein gestürzt und umgebracht haben könnte. Das gehe aus einem Abschiedsbrief hervor, teilte die Polizei mit.

Der mutmaßliche Todesschütze soll schon länger durch fragwürdiges Verhalten aufgefallen sein. So habe der verheiratete Familienvater die Frick-Bank und die Finanzmarktaufsicht ständig öffentlich für seinen Ruin als Fondsmanager verantwortlich gemacht, schreibt der Schweizer "Tages-Anzeiger". Deshalb habe er das Fürstentum auch auf Schadensersatz verklagt.

Erst am vergangenen Freitag soll der mutmaßliche Täter nach Angaben des "Tages-Anzeiger" den liechtensteinischen Medien ein vierseitiges Pamphlet geschickt haben, in dem er das Fürstentum als "Scheiße" und als "Verbrecherstaat" titulierte. Im Schreiben habe er Bertolt Brechts berühmtes Zitat erwähnt: "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Unterschrieben ist das Schreiben den Angaben zufolge mit "Dipl. Ing. Jürgen H., alias Robin Hood von Liechtenstein".

Wegen der Vorgeschichte des mutmaßlichen Täters wurde nach der Tat auch das Regierungsgebäude in Vaduz abgeriegelt, wie die Polizeisprecherin SPIEGEL ONLINE bestätigte.

jbe/dpa/Reuters

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