Foodwatch-Studie Landwirtschaft verursacht Klimakosten von 77 Milliarden Euro

In der Klimadebatte bleibt die Agrarindustrie bislang seltsam am Rande. Dabei verursacht die Landwirtschaft enorme Kosten durch Überdüngung und Fleischproduktion. Eine neue Studie hat sie beziffert.
Maisernte: In Deutschland gelangt weiter zu viel Nitrat ins Grundwasser

Maisernte: In Deutschland gelangt weiter zu viel Nitrat ins Grundwasser

Foto: Holger Hollemann/ DPA

Wenn am Freitag das Klimakabinett tagt, wird eine Branche kaum etwas zu befürchten haben - die Landwirtschaft. Im Vergleich zu 1990 soll sie laut dem Klimaschutzplan der Bundesregierung im fernen Jahr 2030 zwar gut 30 Prozent weniger Treibhausgase verursachen. Wie genau das geschehen soll, bleibt jedoch rätselhaft.

Im Plan ist vage davon die Rede, die Überdüngung zu reduzieren. Zudem wolle sich die Bundesregierung dafür stark machen, dass die Agrarsubventionen an die Klimaziele der EU gekoppelt werden. Für eine Regierung, die kürzlich selbst einräumen musste, ihre Klimaziele für 2020 zu verfehlen, klingt das nicht sehr glaubhaft. Die Potenziale für CO2-Einsparungen, heißt es in dem Plan fast entschuldigend, seien in der Landwirtschaft nun mal "beschränkt".

Martin Rücker von der Verbraucherorganisation Foodwatch sieht das anders: "Wer das Klima schützen will, darf vor der Lobby des Bauernverbands nicht Halt machen", sagt er. Dass es noch immer keine verbindlichen Einsparziele für die Agrarbranche gebe, sei "ein Skandal".

Verursacherprinzip gilt bisher nicht für die Agrarpolitik

Um das Problem greifbar zu machen, hat Foodwatch verschiedenewissenschaftliche Studien ausgewertet , die Aufschluss über die von der Branche verursachten Umweltkosten geben. Die Belastungen scheinen enorm: Legt man den vom Umweltbundesamt (UBA) empfohlenen CO2-Preis von 180 Euro pro Tonne zugrunde, verursacht die EU-Landwirtschaft Klimakosten von 77 Milliarden Euro. Diese Umweltkosten, so die Foodwatch-Auswertung, spielten in der Agrarpolitik bisher jedoch kaum eine Rolle.

Laut Rücker müsse das in der Umweltpolitik etablierte Verursacherprinzip auch in der Agrarpolitik gelten: "Wer Klima- und Umweltkosten verursacht, muss diese auch bezahlen und darf nicht noch mit Subventionen aus Steuergeldern belohnt werden." Was SUV für den Verkehr darstellten, das sei die Überproduktion von Fleisch und Massen-Agrarware zu Billigstpreisen für die Landwirtschaft.

Auch die Kosten der sogenannten negativen externen Effekte der Landwirtschaft - etwa die Auswirkungen auf das Grundwasser oder die aufwendige Herstellung von Kunstdünger - hat die Untersuchung näher beleuchtet.

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Deutscher Bauernverband hält Studie für "nicht realistisch"

Würden solche Effekte eingepreist, dann wäre nach einer Studie der Universität Augsburg ein Preisaufschlag von fast 200 Prozent auf konventionell erzeugte tierische Produkte nötig. Bei pflanzlichen Produkten oder ökologisch erzeugten Waren wäre der Aufschlag deutlich kleiner.

In fast jeder Studie geht es auch um die Belastung des Wassers. Grund- und Oberflächenwasser seien durch Nitrateinträge aus der Düngung inzwischen laut einer UBA-Studie so sehr belastet, dass bei Trinkwasserkunden bis zu 45 Prozent höhere Preise (für entsprechende Klärung oder neue Brunnen) anfallen können.

Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, hält die UBA-Studie für "nicht realistisch". Das sei eher eine "Hochrechnung von Worst-case-Szenarien". Außerdem sei die neue, strengere Düngeverodnung noch nicht berücksichtigt.

Die neue Düngeverordnung hat bisher nicht überzeugt

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat schon vor einiger Zeit einen 10-Punkte-Plan aufgestellt, in dem die Düngeverordnung ein zentraler Bestandteil ist - neben der Stärkung des Ökolandbaus und der Emissionsminderung in der Tierhaltung. Die Reduktionsziele des Plans bleiben jedoch relativ vage, der Druck auf die Landwirte gering: "Der Schutz unseres Grundwassers", so die Ministerin, "geht uns alle an."

Überzeugt hat die neue Düngeverordnung bisher nicht. In Deutschland gelangt weiter zu viel Nitrat ins Grundwasser, bemängelt die EU-Kommission. In 28 Prozent der Grundwasserspeicher wird der Grenzwert überschritten. Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) müssen deswegen in Brüssel erneut nachbessern. Gelingt ihnen das in den nächsten Wochen nicht, könnten pro Tag 857.000 Euro Strafe fällig werden.

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