"Forbes"-Liste US-Milliardäre erobern Spitzenplätze in Reichenliste zurück

Inder und Russen steigen ab: Die globale Rezession hat den Reichtum auf der Welt neu verteilt - Superreiche aus Schwellenländern habe laut "Forbes" im vergangenen Jahr viele Milliarden verloren. Weniger schlimm erwischt hat es die Ultra-Vermögenden in den USA und die deutschen Gebrüder Albrecht.


New York - Der größte Absteiger ist der Aufsteiger des Vorjahres: Anil Ambani, indischer Multimilliardär, verlor in der Finanzkrise geschätzte 76 Prozent seines Vermögens - 32 Milliarden Dollar. Immerhin behält Ambani seinen Platz auf der Liste des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes" - im Gegensatz zu 29 Landsleuten, die ihren Status als Milliardäre verloren.

Gleich vier Inder schafften es 2008 unter die Top Ten der "Forbes"-Liste, die größte Gruppe noch vor US-Amerikanern und Russen. In diesem Jahr sind es nur noch zwei. Die Gründe dafür sind vor allem im Einbruch der indischen Börse um 44 Prozent und in der Abwertung der heimischen Währung zu finden. Die Rupie verlor im Vergleich zum Dollar 18 Prozent ihres Wertes.

Neben den Indern gehören die russischen Superreichen zu den großen Verlierern der Krise. Im Vergleich zu 2008 verlor das Land 55 Milliardäre - nach 87 im Vorjahr schafften es 2009 nur 32 Russen auf die Liste.

Moskau verlor seinen Status als Stadt mit den meisten Milliardären an New York (55). Die russische Hauptstadt landete mit 27 Superreichen sogar hinter London (28). Russland leidet vor allem unter dem Absturz des Ölpreises. Der Ölexport hatte jahrelang für einen Boom gesorgt, der Preissturz führte nun zu einem rapiden Verfall der russischen Währung.

Die USA haben dagegen ihre Vormachtstellung unter den Reichsten der Welt zurückerobert. Die amerikanischen Multimilliardäre besitzen laut "Forbes" 44 Prozent des Reichtums und 45 Prozent der Plätze auf der Liste. Doch auch in den USA haben in diesem Jahr 110 ehemalige Superreiche ihren Platz auf der Liste eingebüßt.

Die größten Verlierer

Anil Ambani: Der Inder büßte im vergangenen Jahr 32 Milliarden Dollar ein. Die Anteile seine Konzerns Reliance verloren zwei Drittel ihres Wertes. Damit kommt der Inder im "Forbes"-Ranking jetzt noch auf ein Vermögen von rund zehn Milliarden Dollar.

Lakshmi Mittal: Auch der indische Stahlmagnat büßte über die Hälfte seines Vermögens ein. Er verlor 19,3 Milliarden Dollar, bleibt aber mit 25,7 Milliarden in der Top Ten von "Forbes".

Warren Buffett: Im vergangenen Jahr war der US-Investor der reichste Mann der Welt. Diese Rolle verlor er an Microsoft-Gründer Bill Gates, der schon von 1996 bis 2008 an der Spitze stand. Buffett verlor 25 Milliarden Dollar, steht mit einem geschätzten Vermögen von 37 Milliarden nun auf Rang zwei.

Berühmte Abgänge

Maurice Greenberg: Der Gründer des US-Versicherungskonzerns AIG verlor 1,8 Milliarden Dollar. Die Aktie verlor in den letzten zwölf Monaten 99 Prozent ihres Wertes.

Mark Zuckerberg: Im letzten Jahr stieg der damals 23-jährige Facebook-Gründer zum jüngsten Milliardär aller Zeiten auf. Er verlor mindestens 600 Millionen Dollar, ist nun "nur" noch ein jugendlicher Multimillionär.

Der Ex-Chef von Heinz, Anthony O'Reilly, litt vor allem unter dem Einbruch der irischen Wirtschaft. Aktien seiner Mediengruppe, Independent News & Media, verloren 90 Prozent. O'Reilly verlor 1,1 Milliarden Dollar - geschätzte 61 Prozent seines Vermögens.

Die Gewinner

Obwohl die Superreichen insgesamt 23 Prozent ihres Vermögens verloren, gab es auch Einzelne, die von der Krise profitierten. Der einzige in der Top 20, der Gewinn machte, war der New Yorker Bürgermeister und Finanznachrichtendienst-Besitzer Michael Bloomberg. Er steigerte laut "Forbes" sein Vermögen um 4,5 Milliarden auf 16 Milliarden Dollar.

John Paulson: Der Hedgefonds-Manager konnte sein Vermögen sogar verdoppeln. Seine Anlagen legten um 38 Prozent zu, während der Index S&P 500 um 39 Prozent sank.

Der jüngste Milliardär auf der berühmten Liste ist jetzt ein Deutscher: Der 25-jährige Albert von Thurn und Taxis wird auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt. Der Sohn von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis steht seit seinem achten Lebensjahr auf der jährlich erscheinenden "Forbes"-Liste. Aber erst mit seinem 18. Geburtstag 2001 erbte der Rennfahrer das Familienvermögen.

Beide Aldi-Brüder schafften es in die Top Ten: Karl Albrecht, 89, wird auf 21,5 Milliarden Dollar Vermögen geschätzt (Platz 6), sein zwei Jahre jüngerer Bruder Theo Albrecht auf 18,8 Milliarden Dollar (Platz 9).

cte/AFP/dpa/ddp



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cathys 12.03.2009
1. Reichtum
Zitat von sysopInder und Russen steigen ab: Die globale Rezession hat den Reichtum auf der Welt neu verteilt - Superreiche aus Schwellenländern habe laut "Forbes" im vergangenen Jahr viele Milliarden verloren. Weniger schlimm erwischt hat es die Ultra-Vermögenden in den USA und die deutschen Gebrüder Albrecht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,612897,00.html
Das war mir eh klar. Amerika wird sich das Ruder nicht so schnell aus der Hand nehmen lassen. Wie Phoenix aus der Asche werden diese auch wieder auferstehen. Hat da jemand überhaupt jemals dran gezweifelt?
Bjoern Dittmann 12.03.2009
2. Zuckerberg down
Mark Zuckerberg: Im letzten Jahr stieg der damals 23-jährige Facebook-Gründer zum jüngsten Milliardär aller Zeiten auf. Er verlor mindestens 600 Millionen Dollar, ist nun "nur" noch ein jugendlicher Multimillionär. Mit einem Internetportal (ohne große Einnahmen) sollte man auch nicht Milliardär sein dürfen!
Tom_63, 12.03.2009
3. Wie gewonnen so zeronnen
Da das Geld nicht weniger wird, wurde es nur anders verteilt und das ist gut so. Nun müssten nur die Superreichen noch viel verlieren und das bei den Armen ankommen, dann funktioniert auch unsere Wirtschaft wieder besser, denn das ganze läuft nur wenn das Geld im Umlauf bleibt und nicht bei sehr wenigen sehr viel.
pax, 12.03.2009
4. im Schluss
Zitat von sysopInder und Russen steigen ab: Die globale Rezession hat den Reichtum auf der Welt neu verteilt - Superreiche aus Schwellenländern habe laut "Forbes" im vergangenen Jahr viele Milliarden verloren. Weniger schlimm erwischt hat es die Ultra-Vermögenden in den USA und die deutschen Gebrüder Albrecht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,612897,00.html
Im Umkehrschluss bedeutet das , dass die Amerikaner nachhaltiger und langfrister gewirtschaftet haben als die Neureichen aus den Schwellenländern.
pax, 12.03.2009
5. Werte und Geld
Zitat von Tom_63Da das Geld nicht weniger wird, wurde es nur anders verteilt und das ist gut so. Nun müssten nur die Superreichen noch viel verlieren und das bei den Armen ankommen, dann funktioniert auch unsere Wirtschaft wieder besser, denn das ganze läuft nur wenn das Geld im Umlauf bleibt und nicht bei sehr wenigen sehr viel.
Das sind nur Wertverluste, denen niemals echtes Geld entgegen gestanden hat und meist immer noch nicht steht. Deswegen sind die Werte tatsächlich weg, ohne dass das Geld auf der Welt dadurch weniger geworden ist. Kaum einer der Milliardäre kann sein Vermögen in tatsächlichen Geldwert umsetzen, ohne dabei 90% seines Vermögenswertes zu verlieren.
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