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15. Juli 2008, 15:09 Uhr

Fordern statt fördern

Für Hartz-IV-Kinder lohnt sich ein Ferienjob kaum

Die Hartz-IV-Gesetze liefern immer wieder Lehrstücke für Demotivation und Benachteiligung. Beispiel Ferienjob: Schüler, die in einem Hartz-IV-Haushalt leben, müssen ihr aufgebessertes Taschengeld den Einkünften der Eltern zurechnen lassen.

Berlin - Viele Schüler nutzen die Ferienzeit zum Geldverdienen. Die Sommerjobs sind nicht zuletzt attraktiv, weil sie in der Regel als sogenannte kurzfristige Beschäftigung sozialabgabenfrei sind. Da die meisten Schüler mit Nebenjobs nicht annähernd auf 7664 Euro pro Jahr kommen dürften, bleibt ihr Verdienst zudem steuerfrei.

Für Kinder, deren Eltern Hartz-IV-Leistungen bekommen, sieht die Rechnung anders aus. Denn ihr Einkommen zählt zu den Einkünften der Bedarfsgemeinschaft und wird daher mit der Regelleistung verrechnet.

Von der Anrechnung ausgenommen ist lediglich der Grundfreibetrag von 100 Euro je Monat. Von dem Betrag, der diese Grenze überschreitet, muss der Schüler 80 Prozent von dem Einkommen aus dem Ferienjob in dem Topf der Bedarfsgemeinschaft werfen.

Angenommen, die Arbeit würde im Monat 400 Euro einbringen, dürfte der Ferienjobber gerade einmal 160 Euro behalten. 240 Euro würden mit dem Regelsatz verrechnet. Dabei spielt keine Rolle, dass das Einkommen nur in wenigen Wochen erzielt wird - eine rechnerische Aufteilung der Einkünfte auf das Gesamtjahr, wie sie beispielsweise bei der Kindergeldberechnung gilt, gibt es beim Arbeitslosengeld II nicht.

mik/ddp

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