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Unternehmer Formal korrekt

Der frühere Baumaschinen-Industrielle Horst-Dieter Esch ist jetzt »Berater« seiner Ehefrau, die eine der größten Fotomodell-Agenturen der Welt erwarb.
aus DER SPIEGEL 40/1989

Am Montag vergangener Woche betrat ein Mann die Räume der Fotomodell-Agentur Wilhelmina in New York, den kein Angestellter der Firma und keines der gerade anwesenden Modelle je zuvor gesehen hatte.

Der Unbekannte, ein bebrillter Mittvierziger mit schütterem Haar und hoher Stirn, war offensichtlich nicht gekommen, um den großen Kader der männlichen Wilhelmina-Modelle zu verstärken. Der korrekt gekleidete Fremdling schien besser in die Wall Street zu passen als in Wilhelminas Glitzer- und Glamour-Welt von schönen Models, Hochglanz-Magazinen und Haute Couture.

Die Agentur-Angestellten brauchten nicht lange zu rätseln, wer der Besucher sei. Firmen-Chefin und -Miteigentümerin Fram Rothchild stellte den Herrn im Business-Outfit als Horst-Dieter Esch vor und eröffnete den verdutzten Mitarbeitern dann, daß dies der neue Haupteigentümer von Wilhelmina sei.

Horst-Dieter who? Den Namen hatten die Beschäftigten der Agentur noch nie gehört. Aus der Branche konnte er nicht sein, das war klar; aber sehr reich mußte er sein, dieser Mister Esch.

Denn mit 300 weiblichen und 90 männlichen Modellen ist Wilhelmina Models Inc. eine der beiden größten und profitabelsten Modell-Agenturen der Welt (neben der New Yorker Konkurrentin Eileen Ford). Ein solches Firmen-Juwel ist nur für einen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag zu haben.

In der Bundesrepublik hätte der neue Wilhelmina-Eigner wohl keine Firma so unerkannt übernehmen können, wie ihm dies in New York gelang. Seit dem Herbst 1983 ist Horst-Dieter Esch hierzulande auch in Bevölkerungskreisen prominent, die sich mehr für die Klatschspalten als für den Wirtschaftsteil einer Zeitung interessieren.

In nur acht Jahren hatte Esch aus zahlreichen fast bankrotten Firmen den drittgrößten Baumaschinen-Konzern der Welt gezimmert. Gegen Ende 1983 war er dann geradezu grandios gescheitert. Die Esch-Holding IBH brach zusammen, obgleich der alerte Jungunternehmer zuvor das Kunststück fertiggebracht hatte, den amerikanischen Auto-Giganten General Motors (GM), den schwerreichen Saudi-Scheich Salih A. Kamil und die feine Frankfurter Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co. (SMH) als Partner zu gewinnen.

Durch den IBH-Bankrott erlitt GM-Chef Roger Smith einen erheblichen Reputationsverlust und der Saudi-Scheich einen Vermögensschaden von weit über 100 Millionen Mark. SMH-Chef Ferdinand Graf Galen büßte gar seine Bank und vorübergehend seine Freiheit ein. Wegen Untreue wurde er zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Noch länger sah Esch sich durch einen Gefängnis-Aufenthalt in seinem Tätigkeitsdrang gebremst. Wegen Betrugs, Untreue und Konkursverschleppung wurde er zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, von denen er über vier Jahre verbüßen mußte.

Der Esch- und Galen-Krimi reizte Theatermacher und Fernsehproduzenten zur Verwertung an. Vor drei Monaten erst lief in der ARD der TV-Zweiteiler »Milliardenspiel«, der die Erinnerung an Esch und Galen wachrief.

Medien-Held Esch ist seit dem vergangenen Jahr wieder auf freiem Fuße und pendelt nun nach eigener Auskunft zwischen der Bundesrepublik und den USA hin und her. Wenn er sich in den Staaten aufhält, lebt Esch mit seiner Frau auf einem prächtigen Landsitz in Darien (Bundesstaat Connecticut).

Daß Unternehmer Esch nach seinem unfreiwilligen Ausstieg aus dem rauhen Baumaschinen-Business nun in das glamouröse Geschäft mit aparten Mädchen und gutgebauten Männern eingestiegen ist, kann Kenner des einstigen Konzern-Architekten nicht überraschen. Schon als IBH-Chef hatte der Sohn eines Maschinenschlossers ein Faible für Traumwelten gezeigt: Er hätte damals beinah den Münchner Constantin-Filmverleih gekauft.

Mit Wilhelmina hat sich Esch nun die erste Adresse im Fotomodell-Geschäft gesichert. Die Firma war 1967 vom erfolgreichsten Covergirl der sechziger Jahre, der deutschstämmigen Metzgerstochter Wilhelmina Behmenburg, und von deren Mann Bruce Cooper gegründet worden. Von Anfang an dabei waren auch die Wilhelmina-Partner Fram Rothchild und William Weinberg.

Nach dem Lungenkrebs-Tod der erst 40jährigen Wilhelmina im Jahre 1980 führten Cooper, Fram Rothchild und Weinberg die Firma erfolgreich weiter. Cooper starb vor zwei Wochen, und Weinberg schied nun durch Verkauf seiner Anteile als Wilhelmina-Gesellschafter aus. Fram Rothchild behielt einen kleinen Firmen-Anteil.

Dem SPIEGEL versicherte Esch vergangene Woche, daß er keineswegs der neue Herr im Hause Wilhelmina sei. »Man kann nicht immer an vorderster Front stehen«, so Esch. Er sei nur »Berater« des neuen Eigentümers.

Formal ist das durchaus korrekt. Nach Aussage Weinbergs gehört die Firma, die nun bei Wilhelmina einstieg, Eschs Ehefrau Ana Gaby, einer gebürtigen Jugoslawin. Und Weinberg verriet auch, woher das Esch-Geld für den Kauf kam: aus der Schweiz.

Dorthin - an eine Firma namens Builma - waren einst 50 Millionen Mark geflossen, die der von Esch geprellte Saudi-Scheich für einen Teil seiner IBH-Aktien gezahlt hatte. Im Prozeß gegen Esch hatte sich die Staatsanwaltschaft vergeblich bemüht nachzuweisen, daß der IBH-Chef selbst hinter der Builma steckte. Es blieb ungeklärt, wer die 50 Millionen letztlich kassierte. f

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