Globale Energieversorgung Verbrauch von Kohle und Gas hat Höhepunkt bereits überschritten

Schwellen- und Entwicklungsländer decken ihren steigenden Energieverbrauch bereits großteils durch erneuerbare Energien, besagt eine Analyse – und zieht eine Parallele zwischen fossilen Brennstoffen und dem Festnetztelefon.
Windpark in Südafrika

Windpark in Südafrika

Foto: Nic Bothma/ dpa

Die stark gesunkenen Kosten für Sonnen- und Windenergie verhelfen den erneuerbaren Energien zum Vormarsch in Schwellen- und Entwicklungsländern und drängen Kohle und Gas zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von zwei Nichtregierungsorganisationen. Demnach hat der weltweite fossile Energieverbrauch seinen Höhepunkt mutmaßlich bereits im Jahr 2018 überschritten

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Viele Entwicklungsländer würden Kohle und Gas beim Ausbau ihrer Energieversorgung praktisch überspringen, argumentieren die britische Initiative Carbon Tracker und das indische Institut CEEW in ihrer Analyse. Eine Analogie sehen die Autoren in der Entwicklung des Telefons in den vergangenen Jahrzehnten: Viele Entwicklungsländer haben nie ein Festnetz aufgebaut. Stattdessen sind sogar in von jahrzehntelangen Kriegen heimgesuchten Ländern wie Afghanistan funktionierende Mobilfunknetze entstanden.

Für ihre Analyse werteten die Autoren vor allem Daten und Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA und der OECD aus. Sie gehen davon aus, dass der Energieverbrauch in Schwellen- und Entwicklungsländern weit schneller steigen wird als in den Industriestaaten des Westens und Japan.

Bis 2040 werden demnach 88 Prozent des steigenden Energiebedarfs in den sogenannten »emerging markets« anfallen – an erster Stelle China, gefolgt von Indien und Ländern wie Vietnam. In den entwickelten Industriestaaten wurde der Höhepunkt des fossilen Energieverbrauchs nach Daten der OECD bereits 2007 überschritten.

Der steigende Energieverbrauch wird der Untersuchung zufolge in Schwellen- und Entwicklungsländern – abgesehen von China – bereits jetzt zum allergrößten Teil durch erneuerbare Energien gedeckt.

Demnach wurden 2019 87 Prozent des Zuwachses der Stromproduktion mithilfe von Wind und Sonne erzeugt. In Summe aber spielt vor allem die Windkraft in diesen Ländern mit 4 Prozent Anteil an der Stromproduktion bislang noch eine untergeordnete Rolle in der Energieerzeugung.

China spielt beim Thema Energiewende eine Schlüsselrolle, da die Volksrepublik weltgrößter Emittent von Treibhausgasen ist und der Energiebedarf nach wie vor rasant wächst.

Die Autoren der Analyse gehen davon aus, dass fast 40 Prozent des steigenden Weltenergiebedarfs bis 2040 in China anfallen werden. Derzeit wird in China noch mehr Kohlestrom zugebaut als Ökostrom, doch gehen die Autoren davon aus, dass sich dies bis 2025 ändern wird.

2019 verbrauchte ein durchschnittlicher US-Bürger laut Daten der OECD mehr als zehn Megawattstunden Strom pro Kopf, Europäer und Chinesen weniger als sechs Megawattstunden, Menschen in Indien und auf dem afrikanischen Kontinent hingegen nur etwa eine Megawattstunde.

mmq/dpa
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