Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise wegen privaten Ölprojekts unter Druck

Er war Chef der Bundesagentur für Arbeit, Bundeswehr-Reformer, Aufräumer im Bundesamt für Migration. Nun aber wirft die »Zeit« Frank-Jürgen Weise vor, dienstliche und private Interessen vermischt zu haben.
Ehemaliger Topbeamter Weise

Ehemaliger Topbeamter Weise

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Der langjährige Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat sich während seiner Amtszeit offenbar an einem privaten Ölgeschäft in Albanien beteiligt. Dabei wirkten laut einem Bericht der »Zeit« auch Unternehmensberater mit, die zeitweise für seine Behörde tätig waren. Den vollständigen Bericht finden Sie hier  (»Zeit«-Paywall).

Weise gewährte dem Bericht zufolge über eine private Vermögensverwaltungsfirma einen Kredit für das Ölprojekt. Insgesamt stellte diese Firma dafür drei Millionen Euro zur Verfügung. Ziel der Unternehmung war es, mithilfe einer neuen Fördertechnik ein Ölfeld im Südwesten Albaniens auszubeuten.

Experte sieht »Anschein von Käuflichkeit«

Den Kontakt zu dem Investitionsvorhaben vermittelte ein McKinsey-Direktor, der zu dieser Zeit auch die Bundesagentur für Arbeit beriet. Er erstellte für Weise Papiere zu dem Investitionsvorhaben und wurde seinerseits mit zehn Prozent an einer Schlüsselfirma des Projekts beteiligt. Nach seinem Ausscheiden bei McKinsey erhielt der Berater über eine eigene Firma wiederum einen Vertrag mit der Bundesagentur für Arbeit.

»Das haben beide nicht sauber getrennt, sodass sich zumindest der Anschein von Käuflichkeit aufdrängt«, kritisiert Till Zimmermann, Leiter der Forschungsstelle für Korruptions-Strafrecht der Universität Trier, den Vorgang gegenüber der »Zeit«. Darüber hinaus soll der Zeitung zufolge ein weiterer an dem Ölprojekt mitwirkender Berater später einen Vertrag von der Bundesagentur erhalten haben.

Weise verwahrt sich gegen den Eindruck, zwischen den Beraterverträgen und dem Ölprojekt bestehe ein Zusammenhang. »Als Vorstand war ich an der Auswahl der Berater nicht beteiligt«, sagte er der »Zeit«.

Der Manager leitete von 2004 bis 2017 die Bundesagentur für Arbeit. In dieser Zeit gab die Behörde 212 Millionen Euro für Unternehmensberater aus. Neben diesem Amt leitete Weise 2010 auch eine Kommission zur Reform der Bundeswehr. Ab 2015 reformierte er das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Auch dort griff er insbesondere auf die Hilfe von Unternehmensberatern zurück.

beb