Proteste gegen Wettbewerbsverzerrung Französische Bauern blockieren Grenze zu Deutschland

Jeder zehnte Agrarbetrieb in Frankreich steht vor der Pleite. Einen Schuldigen haben die Bauern auch ausgemacht: Dank osteuropäischer Arbeiter würden deutsche Betriebe den Wettbewerb verzerren. Deshalb haben französische Landwirte nun die Grenze blockiert.
Proteste gegen Wettbewerbsverzerrung: Französische Bauern blockieren Grenze zu Deutschland

Proteste gegen Wettbewerbsverzerrung: Französische Bauern blockieren Grenze zu Deutschland

Foto: GEORGE GOBET/ AFP

Französische Landwirte haben an der Grenze zu Deutschland Barrieren aufgebaut, um Lastwagen mit Agrarprodukten an der Einreise zu hindern. Die Bauern blockierten mit ihren Traktoren am Sonntagabend ab 22 Uhr sechs Straßen um gegen "die Verzerrung des Wettbewerbs" zugunsten der deutschen Bauern zu protestieren.

Die Aktion der regionalen Föderation der Bauerngewerkschaften (FDSEA) und der Gewerkschaft Jeunes Agriculteurs (JA) des Département Bas Rhin sollte mindestens bis Montagnachmittag dauern. Dann wollen die Landwirte entscheiden, ob sie die Protestaktion fortsetzen.

Auf der Brücke Pierre Pfimlin südlich von Straßburg stoppten rund hundert Landwirte in gelben Warnwesten am späten Abend mehrere Lastwagen vor den Augen der Polizei. Da die Laster keine Agrarprodukte transportierten, konnten sie nach einigen Minuten weiterfahren.

Der regionale FDSEA-Vorsitzende Franck Sander sagte der Nachrichtenagentur AFP, nur Lastwagen mit landwirtschaftlichen Produkten aus Deutschland würden gestoppt. Mehr als tausend Landwirte würden sich an den Barrikaden abwechseln. Etwa ein Dutzend Lastwagen aus Deutschland wurden bereits zur Umkehr gezwungen.

Proteste dauern seit Tagen an

Sander kritisierte, dass die Regierung keine Lösung für die Verzerrung des Wettbewerbs präsentiere. Er beklagte insbesondere die Unterschiede bei den Arbeitskosten. Durch den Einsatz von Arbeitern aus Osteuropa lägen diese in Deutschland teilweise deutlich niedriger als in Frankreich. Sander forderte "konkrete Lösungen".

Die Blockaden sind Teil der seit Tagen andauernden Protestaktionen der Bauern gegen die fallenden Preise für Agrarprodukte. Im Zuge der Proteste blockierten die Bauern bereits Straßen, Städte und den Zugang zu Touristenattraktionen wie den Mont Saint Michel in der Bretagne. Die Regierung kündigte am Mittwoch ein Krisenprogramm mit Steuererleichterungen und Lohngarantien im Umfang von 600 Millionen Euro an, doch dauern die Proteste der Bauern weiter an.

Nach Schätzung der Regierung steht jeder zehnte französische Agrarbetrieb am Rande des Bankrotts. Gemeinsam sind sie mit einer Milliarde Euro verschuldet. Grund für die fallenden Preise von Produkten wie Milch, Rind- und Schweinefleisch sind sich ändernde Ernährungsweisen in Frankreich, der Rückgang der Nachfrage aus China und das russische Embargo für europäische Agrarprodukte.

syd/AFP