40 von 56 Blöcken Frankreich fährt Atomreaktoren wieder hoch

Technische Probleme und Wartungsarbeiten hatten der Atomkraft in Frankreich zu schaffen gemacht – nun gehen die Meiler nach und nach wieder ans Netz. Aber die Sorge vor Blackouts bleibt.
Hochspannungsleitungen in der Nähe von Gravelines, Frankreich (Bild vom 29. November)

Hochspannungsleitungen in der Nähe von Gravelines, Frankreich (Bild vom 29. November)

Foto: PASCAL ROSSIGNOL / REUTERS

Kurz vor Beginn einer angekündigten Kältewelle in Frankreich sind dort wieder 40 von 56 Atomreaktoren am Netz. In der Nacht zu Freitag seien drei Reaktoren in Betrieb genommen worden, teilte der AKW-Betreiber EDF mit. Wegen technischer Probleme und Wartungsarbeiten ist die Stromproduktion in Frankreich seit Monaten auf einem historischen Tiefstand.

Frankreich importiert daher mehr Strom als bisher aus Deutschland, das seinerseits seit Oktober erstmals Gas direkt aus Frankreich bezieht. Mit den derzeit laufenden Atomreaktoren liegt die Leistung bei 39 Gigawatt, installiert sind 61 Gigawatt. Frankreich importiert in diesem Jahr erstmals seit 42 Jahren mehr Strom als es exportiert. Im Sommer waren bis zu 32 Atomreaktoren gleichzeitig abgeschaltet.

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und EDF-Chef Luc Remont besuchten am Freitag den Standort Penly am Ärmelkanal, wo die ersten der acht neuen Atomreaktoren gebaut werden sollen, die Frankreich plant.

Die Regierung ruft Haushalte und Unternehmen seit Wochen zum Stromsparen auf. EDF schätzt, dass der Verbrauch im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um etwa zehn Prozent zurückgegangen sei, was vor allem auf das Konto der Industrie gehe. Wegen der hohen Energiepreise haben mehrere Unternehmen die Produktion heruntergefahren.

Zwischenfall in Paris

Die französischen Behörden bereiten sich zudem auf mögliche stundenweise Stromausfälle im Winter vor. Wegen der angespannten Versorgungslage will Frankreich kontrollierte Stromabschaltungen proben. Kurz vor einer Übung kam es allerdings zu einem ungeplanten Zwischenfall in der Hauptstadt: In Paris ist der Strom großflächig ausgefallen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die verringerte Stromproduktion in Frankreich bereitet offenbar auch Baden-Württemberg Sorgen. Laut einem vertraulichen Papier des Umweltministeriums in Stuttgart seien sogenannte »Brownouts« in Baden-Württemberg nicht völlig auszuschließen, berichtet die »Bild«. Dabei handle es sich um »rollierende Abschaltungen«, die etwa eineinhalb Stunden dauern sollten, heißt es in dem von »Bild« zitierten Schreiben.

ani/AFP
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