Deutsche Konzerne Mehr Frauen in Führungspositionen

Der Frauenanteil in den Führungsspitzen deutscher Konzerne ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Trotzdem sind noch über 90 Prozent der Vorstandsmitglieder Männer.

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Von Anton Rainer


Es tut sich etwas in den Führungsetagen deutscher Konzerne: Wie ein Bericht der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung ergibt, ist der Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten deutlich schneller gewachsen als erwartet. Demnach stieg die Quote um 1,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr - auf immerhin 9,3 Prozent. Erstmals sind damit laut Studie mehr Frauen als Männer mit den Vornamen Thomas und Michael in den Börsenvorständen vertreten. Die Allbright-Stiftung erhebt diese Statistik seit drei Jahren.

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Für den Anstieg gibt es einen einfachen Grund: Überdurchschnittlich viele Männer haben im vergangenen Jahr ihre Posten geräumt. In vielen Fällen wurden sie durch Frauen ersetzt. Es komme jetzt darauf an, noch engagierter am Problem zu arbeiten, schreiben die Allbright-Geschäftsführer Wiebke Ankersen und Christian Berg, "damit Deutschland endlich Anschluss findet an den internationalen Standard".

Dort hat sich der Abstand zum Spitzenreiter USA weiter vergrößert. In den Vereinigten Staaten ist bei den 30 größten Unternehmen im Durchschnitt mehr als jeder vierte Vorstand eine Frau - in Deutschland nur rund jeder siebte. Werde das jetzige Tempo beibehalten, schreiben die Autoren, sei eine 40-Prozent-Quote noch 22 Jahre entfernt. Einen Frauenanteil von 30 Prozent im Vorstand erreicht bis jetzt kein einziges Dax-Unternehmen.

Anders ist es in den meisten Aufsichtsräten, wo es seit 2016 eine Frauenquote gibt. Plätze, die frei werden, müssen dort mit Frauen besetzt werden, bis der Anteil bei 30 Prozent liegt. Außerdem sind die Unternehmen zumindest formal dazu verpflichtet, "Zielgrößen" für die Besetzung der Vorstandsposten zu setzen. Diese Ziele können aber auch bei null liegen.

Zu den Unternehmen, die sich einen Frauenanteil von genau null Prozent gesetzt haben, gehören die Online-Start-ups Hello Fresh, Zalando und Xing, aber auch der Autovermieter Sixt, der Brillenhersteller Fielmann oder die Deutsche Wohnen.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
rjb26 21.09.2019
1. ja klar
mittlerweile Verhalten sich eben mehr Frauen brav und angepasst. alignment nennt sich das heute. ist auch nicht besser für die Volkswirtschaft wenn Karriere Frauen das auch jetzt wie die Karriere Männer machen
Europeon 21.09.2019
2. Ein englischer Satiriker
... hat zu diesem Thema eine interessante Perspektive: https://www.alexcartoon.com/index.cfm?cartoon_num=7517
dirk.resuehr 21.09.2019
3. Die Frauenquote Null
scheint bei einigen deutschen Unternehmen recht erfolgreich zu sein. Zumindest die Firmengründer der USA-Riesen waren auch Männer. Woran liegt das, dass sowohl in Firmengründungen als auch in Kunst und Kultur meist Männer auftreten. Das sollte sorgfäftigst analysiert werden. Große Malerinnen? Kaum, Architektinnen, kaum, Dichterinnen, wenig, Politikerinnen, gibt es, besser als Männer? Sehr offen. Also wieso, weshalb, warum? Es muß doch Ursachen geben, große Rednerinnen sind auch nicht bekannt , und wenns an der Stimme liegt, an den bösen Männern inzwischen doch wohl kaum noch.Immerhin ist die Klima-Bewegerin ein - Mädchen.
großwolke 21.09.2019
4. Die gibt es, und sie sind bekannt
Zitat von dirk.resuehrscheint bei einigen deutschen Unternehmen recht erfolgreich zu sein. Zumindest die Firmengründer der USA-Riesen waren auch Männer. Woran liegt das, dass sowohl in Firmengründungen als auch in Kunst und Kultur meist Männer auftreten. Das sollte sorgfäftigst analysiert werden. Große Malerinnen? Kaum, Architektinnen, kaum, Dichterinnen, wenig, Politikerinnen, gibt es, besser als Männer? Sehr offen. Also wieso, weshalb, warum? Es muß doch Ursachen geben, große Rednerinnen sind auch nicht bekannt , und wenns an der Stimme liegt, an den bösen Männern inzwischen doch wohl kaum noch.Immerhin ist die Klima-Bewegerin ein - Mädchen.
Diese Ursachen gibt es, und sie sind in der psychologischen und biologischen Forschung bestens beschrieben, und das schon seit ca. 40 Jahren: Frauen und Männer sind statistisch nicht ganz das gleiche Tierchen, was die Ausprägung von Persönlichkeitsmerkmalen angeht. Gleich genug, dass einem durchschnittlichen Mann wie mir eine durchschnittliche Frau von der Persönlichkeit her sehr viel ähnlicher sein dürfte als ein Alpha-Männchen wie z.B. Gerhard Schröder, aber doch unterschiedlich genug, dass es in repräsentativen Studien messbar wird. Und da die Selektion für Spitzenpositionen an den Extremen der Merkmalsverteilung erfolgt, sortiert sich das eben so hin, wie wir es jetzt sehen, wenn niemand etwas dagegen unternimmt. Googlen Sie einfach mal nach "James Damore Memo". Dort hat ein junger Mann, sehr zu seinem persönlichen Schaden, relevante Literaturstellen mal zusammengefasst. Ob das nun bedeutet, dass Frauen geholfen werden muss, einen "gerechten" Anteil an Spitzenpositionen zu besetzen, weiß ich nicht.
Tyrion2210 21.09.2019
5. Fangprämie für Frauen
Ich habe das "Glück" in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem Frauen tatsächlich aktiv für Führungspositionen gesucht und besetzt werden. Dagegen spricht überhaupt nichts. Unabhängig vom Geschlecht gibt es kompetente und weniger kompetente Personen, bis hin zu Totalausfällen. Da nehmen sich die Geschlechter nichts :-) Was ich bedenklich finde ist, das mein Arbeitgeber der Personalabteilung bzw. den fürs Recruiting verantwortlichen Mitarbeitern Boni zahlt für jede Position, die mit einer Frau besetzt wird. Das gilt für Neueinstellungen genauso wie für Beförderungen. Mein persönliches Verständnis von Gleichberechtigung hat mit dieser speziellen Praxis, von der ich nicht weiß wie verbreitet sie ist, ernsthafte Probleme.
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