Freie Bahn für Zulassung A380 beendet Welt-Test-Reise

Nach dem letzten Testflug über den Nordpol ist der Weg für die Zulassung des A380 frei. Doch die bestandene Feuerprobe kann über die Krise von Airbus nicht hinwegtäuschen: Morgen soll Kreisen zufolge über die Zukunft des A350 entschieden werden.


Toulouse - Die Maschine 002 des A380 beendete mit einem Flug aus dem verschneiten Vancouver zum Montagewerk Toulouse die letzte Serie von Testflügen rund um die Welt und über beide Pole. Mitte Dezember soll das größte Verkehrsflugzeug der Welt nun die Zulassung der Aufsichtsbehörden Europas und der USA erhalten. Knapp 600 der 2600 bisher absolvierten Flugstunden dienten der Zulassung.

Chinesischer Soldat vor A380: "Sehr, sehr schöne, komfortable und leise Maschine"
AP

Chinesischer Soldat vor A380: "Sehr, sehr schöne, komfortable und leise Maschine"

"Der Flug ist außerordentlich gut verlaufen", sagte Testpilot Hugues Van Derstichel nach der Landung. "Das Flugzeug hat sich als sehr, sehr schöne, komfortable und leise Maschine erwiesen." Die letzte Flugstaffel dauerte 18 Tage. Sie sollte die Eignung der Flughäfen zur Abfertigung des Großflugzeugs und das Verhalten des Flugzeugs mit hoher Zuladung auf Langstrecken zeigen. So wurde geprüft, wie sich die Maschine rangieren, betanken und säubern lässt und ob die Passagiere reibungslos ein- und aussteigen können.

Nach Flügen zu den wichtigsten asiatischen Flughäfen führte die letzte Reise vom 26. bis 29. November nach Johannesburg in Südafrika, Sydney in Australien und Vancouver in Kanada. Von Johannesburg nach Sydney ging es mit dem maximalen Startgewicht von 555 Tonnen über den Südpol. 80 Personen befanden sich beim letzten Flug an Bord. Airbus erwartet nun in etwa zwei Wochen die Zulassung seines Superjumbos für den Flugbetrieb. Mit Platz für 481 bis 853 Passagiere soll das zweistöckige Flugzeug die Boeing 747 als größtes Passagierflugzeug der Welt ablösen.

Der A380 hatte zuletzt wegen massiver Lieferverzögerungen, die sich mittlerweile auf zwei Jahre summiert haben, für Furore gesorgt. Grund ist der komplizierte Einbau der umfangreichen Verkabelung des Flugzeugs. Wegen der Produktionsprobleme erhält etwa Singapore Airlines die erste Maschine erst im Oktober 2007 und der A380 kann frühestens in einem Jahr in den Liniendienst starten.

Der US-Frachtflieger FedEx hat deswegen zehn A380-Frachter abbestellt und bei Boeing Ersatz geordert. Damit hat Airbus noch 149 Bestellungen für den A380, einschließlich der vorliegenden Kaufabsichten sind es Airbus zufolge 166; die Gewinnschwelle liegt inzwischen bei 420 Maschinen. Airbus erwartet, dass in den kommenden 20 Jahren 1260 Passagierflugzeuge und 400 Frachter der A380-Klasse gekauft werden und strebt mindestens 50 Prozent Marktanteil an.

Die mit den Lieferverzögerungen verbundenen finanziellen Einbußen haben in der Branche auch Zweifel an der Finanzierbarkeit des neuesten Airbus-Modells A350 XWB ausgelöst, das der neuen Boeing 787 Paroli bieten soll. Branchenkreisen zufolge soll der Verwaltungsrat des Airbus-Mutterkonzerns EADS morgen in Amsterdam zusammenkommen, um dem gut zehn Milliarden Euro teuren Projekt grünes Licht zu geben. Den Kreisen zufolge wurde ein ursprünglich für vergangenen Freitag angesetztes Treffen des Gremiums wegen Unstimmigkeiten über die Finanzierung des A350 verschoben.

ase/dpa-AFX/Reuters



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Seite 1
Joachim Baum 27.04.2005
1.
---Zitat von sysop--- Die Heckflosse so hoch wie das Brandenburger Tor, ein Elefant wirkt winzig dagegen: Mit dem Airbus 380 beginnt eine neue Dimension der Gigantomanie in der Luftfahrt. Zu erwartende lange Boardingzeiten und heikle Sicherheitsszenarien für den Riesenflieger dämpfen bei manchen die Vorfreude. Möchten Sie mit dem neuen A 380 fliegen? Fasziniert Sie die Technik oder schreckt sie eher ab? ---Zitatende--- Ich warte erst mal ab, ob er heute wieder heil runterkommt ...
Dominik Menakker, 27.04.2005
2. Fahr doch Fahrrad!
Ach, sind wir wieder soweit? Alles neue ist per se Wahnsinn. Was wir nicht kennen macht uns Angst? Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. Ach ja, und zur Hauptfrage. Natürlich freue ich mich auf den Vogel. Jeder der viel und gerne fliegt wird das tun.
DJ Doena 27.04.2005
3.
Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas". Was ich bedauerlich am neuen 380 finde, ist, dass die Fensterchen wieder verdammt klein zu sein scheinen. Herrje, es muss doch möglich sein, ein Flugzeug zu konstruieren, dass mehr als nur diese Bullaugen zum rausgucken hat...
Peter Jelinski, 27.04.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas" ---Zitatende--- Mir geht es genauso. Ich brauche noch den 747 um alle Boeing Modelle zu kennen, und hoffe bald in einem Airbus zu sitzen.
webwiese, 27.04.2005
5.
---Zitat von Dominik Menakker--- Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. ---Zitatende--- Kann Ihnen nur 100%ig zustimmen. Wann hören wir endlich auf, ständig das Miese zu suchen? Wir preisen den Technologiestandort und stellen gleichzeitig seine Ergebnisse in Frage! Thema: Einen vor und zwei zurück! Zur Sache: Der A380 ist die konsequente Fortführung der Flugzeugtechnologie. Mit steigendem Flugverkehr werden auch größere und rationalere Flugzeuge gebraucht. Waren es nicht die Saudis, die schon vor dem Jungfernflug nach noch größeren Fliegern gerufen haben? Ich wünsche Airbus viel Erfolg, auch - und gerade - um im Wirtschaftswettkampf mit unseren "Freunden" aus den USA nachwievor wettbewerbsfähig bleiben zu können. Gruß Christian Wiese
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