Frühjahrsbelebung Arbeitslosenzahl sinkt stärker als erwartet

Dass sich der Arbeitsmarkt im Mai entspannt, ist üblich - in diesem Jahr aber fiel die Belebung deutlicher aus als sonst. Nach vorläufigen Informationen liegt die Zahl der Jobsuchenden nun um 350.000 niedriger als im Vorjahr.


Nürnberg - Offiziell gibt die Bundesagentur für Arbeit die Daten für Mai am späteren Vormittag bekannt. Schon jetzt aber meldet die Nachrichtenagentur Reuters vorab, die Zahl der registrierten Job-Suchenden sei auf 4,535 Millionen gesunken – überraschend deutlich. Auch die "Bild"-Zeitung berichtet, die Zahl der registrierten Arbeitslosen liege nun in der Größenordnung von rund 4,55 Millionen.

Arbeitssuchende in Sachsen: BA lobt Fortschritte bei Hartz IV
DDP

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Damit wäre die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum April um 255.000, gegenüber dem Mai 2005 um 349.000 zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote sei auf 10,8 Prozent gesunken, so Reuters unter Berufung auf eine informierte Person.

Die Erwerbslosenzahl wäre damit weitaus stärker gefallen als für den Mai üblich. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre war jeweils eine Abnahme um knapp 160.000 verzeichnet worden. Ein Rückgang im Mai ist wegen der zunehmenden Beschäftigung in den Außenberufen üblich. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) führe einen Teil des starken Rückgangs auf entlastende Effekte durch die Hartz-IV-Arbeitsmarktreform zurück, unter anderem die intensivere Betreuung von Arbeitslosen.

Auch wenn die jahreszeitlichen Einflüsse herausgerechnet werden, ging die Arbeitslosenzahl unerwartet deutlich zurück. Saisonbereinigt sei die Erwerbslosenzahl von April auf Mai um 93.000 gesunken.

DGB: Die Daumenschrauben nicht noch fester andrehen

In der Debatte um Änderungen bei Hartz IV warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterdessen vor weiteren Korrekturen zu Lasten der Erwerbslosen. "Das Grundproblem ist und bleibt, dass nicht ausreichend Arbeitsplätze da sind. Dafür dürfen Arbeitslose nicht auch noch bestraft werden", sagte DGB-Vorstandsmitglied und Sozialexpertin Annelie Buntenbach der "Berliner Zeitung". Sie forderte die Bundesregierung auf, das Kompetenzchaos schnellstens zu beenden.

Um Langzeitarbeitslose tatsächlich aus einer Hand zu fördern, sollten die Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung für alle Arbeitslosen den Arbeitsagenturen übertragen werden. Die Kommunen müssten dazu die notwendigen Rahmenbedingungen unter anderem bei der Kinderbetreuung organisieren. "Die mehr als 500.000 alleinerziehenden Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen brauchen dringend bessere Kinderbetreuungsangebote, damit sie überhaupt eine Chance zur Eingliederung haben", erklärte die Sozialexpertin.

Der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hat sich indes für eine stärkere Senkung der Lohnnebenkosten ausgesprochen. Der "Stuttgarter Zeitung" sagte er, die unerwartet hohen Überschüsse der Bundesagentur für Arbeit könnten Spielraum für zusätzliche Beitragssenkungen eröffnen. "Wenn es Freiräume gibt, dann bin ich dafür, bei der Reduzierung der Sozialbeiträge weiter zu gehen als dies im Koalitionsvertrag vorgesehen ist."

Der CDU-Politiker hält es für möglich, dass die Bundesagentur für Arbeit in diesem Jahr einen Überschuss von bis zu acht Milliarden Euro erzielt. Im Herbst werde die Koalition über die Verwendung entscheiden. Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf verständigt, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung um zwei Prozentpunkte zu ermäßigen.

itz/Reuters/dpa/AFP



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