Frühjahrsgutachten Wirtschaftsinstitute prognostizieren 2,5 Prozent Wachstum

Morgen haben wir es schriftlich: Der Boom geht weiter, heißt es einer Zeitung zufolge im Frühjahrsgutachten der fünf führenden Wirtschaftsinstitute. Demnach wird die Wirtschaft dieses Jahr um 2,4 Prozent anziehen. Damit liegen die Berechnungen weit über denen vom vergangenen Herbst.


Hamburg - Noch vor wenigen Monaten fiel die Vorhersage ausgesprochen mager aus: In ihrem Herbstgutachten waren die Forscher der fünf führenden Wirtschaftsinstitute noch davon ausgegangen, dass die Konjunktur 2007 nur um 1,4 Prozent anziehen werde. Mit diesem Pessimismus ist es jetzt vorbei, wie die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf das neue Gutachten der Forscher berichtet, das morgen vorgestellt wird.

Das ist durch und durch erfreulich. Die Arbeitslosenquote werde 2007 zunächst auf 8,7 Prozent und dann 2008 auf acht Prozent sinken, heißt es da etwa. Der deutsche Staat werde im nächsten Jahr zudem erstmals seit Jahrzehnten ohne neue Schulden auskommen. Die Experten der Institute erwarten für 2008 eine Defizitquote von null Prozent, 2007 werde sie noch bei 0,6 Prozent liegen, hieß es weiter. Die Verbraucherpreise stiegen sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr den Berechnungen zufolge um 1,8 Prozent, so das Gutachten weiter.

"Bitte kein Maulkorb"

Dass die Prognose erheblich erhöht wird, war zu erwarten - in den vergangenen Monaten hatten mehrere Institute schon ihre Einzelvorhersagen deutlich korrigiert. Auch bezüglich der zu erwartenden Steuereinnahmen in diesem und den folgenden Jahren hatte es so manche Jubelmeldung gegeben. Zuletzt hatten das RWI in Essen und das DIW in Berlin auf die deutliche Verbesserung der Haushaltslage hingewiesen.

Nicht jeden freuen solch euphorische Vorhersagen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte aus Verärgerung über die optimistischen Steuerprognosen die Institute sogar aufgefordert, sich außerhalb der offiziellen Steuerschätzung zurückzuhalten - zur Empörung der Union. Die freie Meinungsäußerung von Wirtschaftsforschungsinstituten dürfe nicht unterbunden werden, erklärte, der finanzpolitische Sprecher der Union, Otto Bernhard, der "Frankfurter Rundschau": "Bitte keinen Maulkorb."

Die Institute müssten frei ihre Prognosen präsentieren können. Wenn dadurch der Sparkurs der Koalition in Gefahr gerate, liege die Verantwortung allein bei der Politik. "Wir Politiker werden dafür bezahlt, unnötige Ausgabenwünsche abzuwehren", sagte Bernhard.

ase/AP/dpa-AFX



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